Gifhorn ist nicht Wittmund

Kind trinkt zu viel, Eltern zahlen den Rettungswagen? –Landkreis winkt ab

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Sollen Eltern es im Portemonnaie spüren, wenn ihr Kind wegen eines Alkoholexzesses einen Rettungswagen braucht? In Wittmund bezeichnet man diese Regelung als Erfolg, in Gifhorn bleibt eine Kostenbeteiligung kein Thema. 

Landkreis Gifhorn. Sollen Eltern für den Rettungseinsatz zahlen, wenn ihr Kind wegen übermäßigen Alkoholkonsums medizinische Hilfe braucht? Ein entsprechender Antrag der Gifhorner AfD-Kreistagsfraktion war im Juni durchgefallen.

Aus Ostfriesland kommt nun die Nachricht, dass der Landkreis Wittmund mit seiner Ankündigung, von Erziehungsberechtigten bis zu 1.000 Euro für solche Einsätze zu kassieren, Erfolg hat. Ein Grund, die Sache mit dem „Komasaufen“ in Gifhorn auf Wiedervorlage zu nehmen?.

„Ziel erreicht“, meldet man jedenfalls in Wittmund: Nach Alkoholexzessen Anfang Mai hatte die dortige Kreisverwaltung angekündigt, in „besonders eklatanten Fällen“ Rechnungen für den Rettungseinsatz zu verschicken. Seither, so bilanzierte jetzt nach etwas mehr als sechs Monaten ein Sprecher, habe man „kaum Einsätze mit alkoholisierten Jugendlichen registriert“.

Gifhorns Landrat Dr. Andreas Ebel sieht darin keinen Grund dafür, dass die Angelegenheit wieder auf die Tagesordnung kommen sollte: Dem Landkreis obliege die flächendeckende und bedarfsgerechte Notfallrettung, das gelte auch im Fall von Alkoholvergiftungen. Die Kosten hätten laut Gesetz die Krankenkassen zu tragen, der Landkreis rechne die Fahrten mit ihnen ab. Dies sei, so Ebel, eine „rechtssichere Verfahrensweise“. Und: „Von einem Abweichen ist insbesondere im Hinblick auf fehlende Abgrenzungskriterien des sogenannten ‘Komasaufens’ dringend abzuraten.“

Ebel verweist zudem auf die geltende Gesetzeslage, wonach die Kassen im Rahmen einer Ermessensentscheidung Versicherte an Kosten beteiligen können, wenn jemand sich eine Gesundheitsgefährdung vorsätzlich zuzieht. Auch die CDU-Fraktionschefin im Gifhorner Kreistag, Telse Dirksmeier-Vielhauer, sah gestern auf IK-Anfrage „keine neuen Sachverhalte“ und „Stand jetzt keinen Handlungsbedarf“.

Die Gifhorner Kreisverwaltung kündigt für Frühjahr 2019 neue Testkäufe an, mit denen die verbotene Abgabe von Alkohol an Minderjährige aufgedeckt werden soll. Nach Angaben der DAK kamen im Jahr 2017 in Niedersachsen insgesamt 2055 Kinder und Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung in ein Krankenhaus – ein Rückgang von 2,8 Prozent gegenüber 2016. Im Gifhorner Klinikum waren es damals 44 junge Alkoholpatienten, der jüngste war 12 Jahre alt.

Von Holger Boden

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