Verwaiste Mutter aus dem Landkreis Gifhorn sucht Leidensgenossen

Keiner will die Trauer sehen

Einsame Tränen: Trauernde ernten nicht immer Verständnis von ihrer Umwelt. Symbolfoto: dpa
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Einsame Tränen: Trauernde ernten nicht immer Verständnis von ihrer Umwelt.

Landkreis Gifhorn. Seit dieser einen Nacht im Januar vor fast zwei Jahren ist nichts mehr, wie es war. Und es wird auch nie mehr so sein. Das weiß Waltraut S. (Name geändert) aus dem Landkreis Gifhorn. Sie trauert um ihren Sohn (30), der tot aufgefunden wurde.

„Er fehlt“, sagt seine Mutter. Jeden Tag, fast jede Stunde. „Manchmal denke ich einen kurzen Augenblick, es ist alles wie früher. Er arbeitet, ich habe hier mein Tun, dann ist wieder Alltag wie vor Januar 2015 – und dann holt einen die Wahrheit plötzlich wieder ein“, sagt die 65-Jährige.

Waltraut S. sagt, es gibt bessere Tage – und schlechtere. Aber jeder Tag sei anders, seit ihr Junge nicht mehr nach Hause kommt. Anfangs war es, als würde das Leben einfach anhalten. Mit einem Ruck. Waltraut S. erinnert sich: „Mein Körper tat mir weh, ich konnte nicht mehr arbeiten, nichts mehr schaffen, man denkt nichts mehr, könnte kein Kreuzworträtsel machen, alles ist einfach komplett leer.“

Jetzt, 22 Monate später, sucht sie auf diesem Weg Austausch mit anderen Müttern oder Eltern, die auch ihr (erwachsenes) Kind verloren haben. Ihre große Hoffnung: endlich verstanden zu werden.

Dieses Verständnis für die Trauer von verwaisten Eltern, das habe sie vermisst, das fehle ihr. Und sie vermutet, dass es auch anderen Betroffenen so geht. Waltraut S.: „Ich hätte mir ein ehrliches Mittrauern gewünscht oder einfach nur, dass einer mal den Arm um meine Schulter legt.“ Sie habe einige wertvolle Begleiter in ihrer ersten Trauer gehabt, aber muss auch jetzt immer noch Situationen erleben und Sätze hören, die sie schockieren und traurig machen. Waltraut S.: „Die Leute meinen, nach der Beerdigung und nun erst recht muss doch alles wieder gut sein – es will keiner mehr hören und sehen, dass man immer noch weint.“ Sie hat oft das Gefühl, sie sei den anderen lästig mit ihrer Trauer. Und spreche dabei schon kaum mehr in der Öffentlichkeit über ihren Verlust, sagt sie. Trauer braucht ihre Zeit. Auch das weiß Waltraut S. inzwischen.

Verwaiste Eltern, die Kontakt zu Waltraut S. aufnehmen wollen, können sich unter (05831) 291492201 an das Isenhagener Kreisblatt werden. Wir leiten die Anfrage dann gern weiter.

Von Christiane Schacht

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