1. az-online.de
  2. Isenhagener Land
  3. Gifhorn

Keine Freiheit ohne Regeln

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
Solisten, Chor und Beleuchter machten die zeitlose Geschichte der zehn Gebote für zeitgenössische Zuhörer zu einem beeindruckenden Musical. © Ohse

Gifhorn. Es war eine gelungene und einmalige Komposition von Thema, Licht, Gesang und schauspielerischer Leistung: Das Pop-Oratorium „Die 10 Gebote“ von Michael Kunze und Dieter Falk begeisterte am Samstagabend die Gäste in der Gifhorner St.

Nicolai-Kirche, die bis in die Emporen Platz genommen hatten.

Während im Januar in Hannover 3000 Sänger für diesen Auftritt auf der Bühne vor 13 000 Zuhörern standen, war der Rahmen in der Kreisstadt etwas kleiner – doch nicht weniger fein. Neben dem Projektchor von Kreiskantor David Menge, der die Gesamtleitung innehatte, sangen auch die Mitglieder des Cantate-Chors von Claudia Kasprzyck aus Hankensbüttel. Monumental, mit ein wenig Pathos, dennoch immer den Ernst des jahrtausendealten Stückes vor Augen, kam die Musikshow beim Publikum an, und das bedankte sich auch nach einzelnen Aufführungen.

Immer wieder gab es Applaus aus den Zuschauerreihen für das Stück, das von Moses und den 10 Geboten handelte. In 19 Akten vor dem alten Altar auf die kleine Bühne gebracht, wurde die Geschichte alles andere als trocken und verstaubt präsentiert. Pop, Rock und Gospel verschmolzen in dem Musical zu einer engagierten Vorstellung.

Liebe, Glaube, Tod, Freiheit, Sklaverei – diese Schlüsselgeschichte aus dem Alten Testament widmete sich den großen Themen. Vom Prolog über den Aufzug am Wasserloch und die Schlüsselszene mit dem brennenden Dornbusch erstreckte sich die Handlung. Das Publikum verfolgte die Geschichte von Moses, dem Pharao und dem Auszug des israelischen Volkes bis hin zum goldenen Kalb und den zehn Geboten.

Das alles war für die meisten nicht neu – aber neu und zeitgemäß dargeboten. Wer die Geschichte nicht kannte, dem wurde sie musikalisch erzählt und schauspielerisch mit Gefühl nahe gebracht. Eine der Kernbotschaften, die das Stück zeitlos machen: Aus Gewalt heraus kann keine Freiheit entstehen – eine Absage an Terrorismus, der sich eine „Befreiung“ auf die Fahnen geschrieben hat. Erst mit gewissen Regeln, so die Essenz, ist ein Zusammenleben möglich.

Beeindruckend waren nicht nur die Solisten, auch die Chöre gestalteten den Auftritt prägend mit. Denn das Bühnenbild war spärlich, die Chöre hatten teilweise die Aufgabe von Bühnenbildnern. Die St. Nicolaikirche gab den würdigen, passenden Rahmen, die Akteure meisterten ihre Aufgabe auf relativ schmalem Raum.

Das große Mitmachprojekt wurde von der „Creativen Kirche“ zusammen mit der Evangelischen Kirche und weiteren Partnern in vier deutschen Großstädten veranstaltet. Das Stück ist die Eröffnung des evangelischen Jahres der Kirchenmusik.

Von Burkhard Ohse

Auch interessant

Kommentare