Totes Baby in Knesebeck einziger ungelöster Todesfall der Gifhorner Polizei

Keine Not mit „Cold Cases“

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Polizeikontrolle nach dem Fund eines toten Babys bei Knesebeck – der wohl einzige ungelöste Todesfall im Kreis. 

Gifhorn/Knesebeck. Nach der Aufklärung der sogenannten Göhrde-Morde (das IK berichtete) schlägt der Bund Deutscher Kriminalbeamter Alarm: Die Öffentlichkeit sei jetzt für das Thema lange zurückliegender, ungelöster Kriminalfälle sensibilisiert.

Die Mordkommissionen seien aber personell zu schlecht ausgestattet, um Altfälle zu lösen. Um 250 Fälle in ganz Niedersachsen gehe es insgesamt, weit über 250 Angehörige sehnten sich nach Gewissheit.

Für die Gifhorner Polizei relativiert deren Sprecher Thomas Reuter: „Wir haben keine Not mit sogenannten ‘Cold Cases’.“ Seine Erklärung: Insgesamt gebe es wenige Tötungsdelikte in der Region. Bei einem hohen Anteil von diesen wenigen Fällen wiederum handele es sich um Beziehungstaten – und diese seien oft relativ leicht aufzuklären.

Der Fall des toten Babys, das am 4. März vergangenen Jahres südlich von Knesebeck an einem Wirtschaftsweg in einer Plastiktüte auf einem Haufen Grünabfälle von Müllsammlern gefunden wurde, sei derzeit im Grunde der einzige ungelöste Todesfall, so Reuter weiter. Hier, so Reuter weiter, gebe es seit Monaten keine neue Spur, die Polizei hoffe weiter auf Hinweise und die Beamten blieben weiter an dem Fall dran – insofern handele es sich auch nicht um einen „Cold Case“.

Auch Fälle von Langzeitvermissten, die ebenfalls zu den „Cold Cases“ gezählt werden, gebe es im Kreis nicht – vermisst gemeldet würden in der Regel meist Jugendliche, die relativ schnell wieder auftauchten.

Sowohl bei Opfern von Angehörigen als auch bei denen von Langzeitvermissten sei die Ungewissheit über die Erklärung für den Tod oder die Frage nach dem Überleben quälend, bestätigt Reuter eine Einschätzung, die der Bund der Deutschen Kriminalbeamten weiter mitteilt. In das Horn der Gewerkschaft, die mehr Personal fordert, um Altfälle entsprechend des Schlagwortes „Mord verjährt nie!“ nicht nur alibimäßig immer mal wieder anzufassen, sondern auszuermitteln, stößt er aber nicht.

Von Steffen Kahl

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