Gifhorn: Apotheker, Frauenärzte und Diakonie sehen Rezeptfreiheit unproblematisch

Kein „Run“ auf Pille danach

Sehen keinen rapiden Anstieg für die „Pille danach“: (v.l.) Martin Warncke, Ina Hauer-Zimmermann, Tahnee Winters, Dr. Lutz Müller und Anne Samson.
+
Sehen keinen rapiden Anstieg für die „Pille danach“: (v.l.) Martin Warncke, Ina Hauer-Zimmermann, Tahnee Winters, Dr. Lutz Müller und Anne Samson.

Gifhorn. Seit drei Monaten ist die „Pille danach“ in Apotheken rezeptfrei erhältlich. „Einen Run auf das Medikament haben wir aber nicht festgestellt“, erklärten Anne Samson von der Gifhorner Ise-Apotheke und Martin Warncke von der Apotheke in Gamsen einmütig.

Auch die ansässigen Frauenärzte sind laut Gynäkologe Dr. Lutz Müller aus Gifhorn nicht „beunruhigt“, dass die Frauen nunmehr nicht zwingend einen Arzt konsultieren müssen.

Mussten betroffene Frauen zuvor noch ein Rezept von einem Arzt vorlegen, ist nun der direkte Kauf des Präparats möglich. „Zurzeit werden zwei Präparate auf dem Markt angeboten“, erklärte Ina Hauer-Zimmermann, Geschäftsleitung des Diakonischen Werkes, das seit 2006 anerkannte Schwangeren- und Schwangerenkonfliktberatungsstelle ist. „Beide Medikamente können bis zu 72 oder 120 Stunden nach dem ungeschützten Sexualverkehr eingenommen werden und verschieben den Eisprung. Nach dem Eisprung wirken sie nicht mehr“, so Hauer-Zimmermann.

Für das Diakonische Werk sei die Öffentlichkeitsarbeit zu dem Thema wichtig. Denn auch bei den sexualpädagogischen Angeboten an Schulen und in der Jugendwerkstatt kämen diesbezüglich immer wieder Fragen auf, fügte Tahnee Winters, Diplom-Sozialpädagogin im Diakonischen Werk, hinzu. Eine „sorgfältige Überwachung“ hat der Gesetzgeber laut Warncke weiterhin auferlegt. „Die Pille danach ist kein Bonbon, aber man hat im Notfall leichter Zugriff darauf“, sagt der Apotheker.

Eine intensive Beratung erfolgt im Falle der Umgehung eines Arztbesuches in der Apotheke. Frauen bis 20 Jahre sparen sich allerdings durch ein ärztliches Rezept, das nicht unbedingt der Gynäkologe, sondern auch der Hausarzt ausstellen kann, die Kosten für das Präparat, die bei bis zu 30 Euro liegen. Bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres spart man zudem die Rezeptgebühr von fünf Euro, erklärten die Apotheker. Sollten junge Mädchen im Alter von bis zu 13 Jahren in diese Notlage kommen, müsse allerdings die Mutter mit zum Arzt kommen, sagte Müller.

Das Diakonische Werk sieht den vereinfachten Zugang zu der „Pille danach“ als „richtigen und wichtigen Schritt zur Selbstbestimmung der Frauen“, wie Hauer-Zimmermann sagt. Zu betonen sei, dass es sich hierbei nicht um einen Schwangerschaftsabbruch, sondern um das Verschieben des Eisprungs handele. Das Medikament sei auch nur für den Notfall gedacht. Vorratskäufe wurden ebenfalls nicht beobachtet. Drei bis maximal fünf Tabletten pro Monat sind das Maximum, das pro Apotheke bisher verkauft wurde.

Zwar gebe es bundesweit rund ein Drittel mehr Verkäufe der „Pille danach“, das betreffe aber insbesondere das Bundesland Bayern und die Großstädte. „Hier bei uns ist kein Anstieg der Verkäufe festzustellen“, sagte Samson. Trotz der erleichterten Zugänglichkeit ist der Beratungsstelle eines wichtig. „Die Pille danach ist kein Verhütungsmittel. Sie sollte nur für den Notfall bei sogenannten Verhütungspannen eingesetzt werden“, so Hauer-Zimmermann.

Von Burkhard Ohse

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare