„Kein Dioxin im Futter“

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Unter 1000 gesperrten landwirtschaftlichen Betrieben in Niedersachsen befinden sich auch Schweinemastbetriebe, die derzeit kontrolliert werden.

Landkreis Gifhorn. – Von Carola Peiser. Der Dioxin-Skandal in der Landwirtschaft lässt Bauern und Verbraucher gleichermaßen aufschrecken. Nachdem in Futtermittel Dioxin nachgewiesen wurde, wurden in Niedersachsen vorsorglich 1000 Legehennen-Farmen, Schweine- und Putenzuchtbetriebe geschlossen.

„Im Landkreis Gifhorn ist nach derzeitigem Stand noch kein Betrieb betroffen“, gibt Klaus-Dieter Böse, Geschäftsführer des Gifhorner Kreislandvolksverbandes, Entwarnung. Allerdings sei das Kreisveterinäramt informiert. „Wird ein Betrieb gemeldet, wird dieser sofort gesperrt und untersucht“, berichtet Böse im IK-Gespräch. Leidtragende seien in jedem Fall wieder die Landwirte: „Das ist doch eine Schweinerei. Der Bauer geht davon aus, dass das Futter in Ordnung ist, muss aber nun seinen Betrieb schließen.“ Andererseits, so Böse, wird deutlich, dass das Qualitätssicherungssystem funktioniert, auch wenn der Futtermittelhersteller die technischen Fettsäuren bei Eigenkontrollen im Futter festgestellt hat. „Das ist aber auch der einzige Lichtblick dieser unerträglichen Katastrophe“, sagt der Zahrenholzer Rainer Wendt, Präsident der deutschen Hähnchenmast und Vizepräsident der deutschen Geflügelwirtschaft. Nicht nur Hühner, sondern auch Schweine und Puten bekamen das Futtermittel. Bio-Bauernhöfe bekamen das Futter nach Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums aber nicht.

Böse: „Wir vom Landvolk fordern, dass der Verursacher die Kosten trägt und nicht der Landwirt. Der ist schon genug damit bestraft, dass sein Betrieb gesperrt ist.“ Das ist laut Wendt aber gar nicht so einfach: „Es hat sich doch keiner Gedanken über die Konsequenzen gemacht. Der betroffene Betrieb muss nachweisen, dass er unter der Schadstoffgrenze liegt. Er muss sich von dieser Schweinerei befreien, aber es gibt doch gar nicht genügend Labore. Die Tiere sind jetzt schlachtreif und nicht erst in vier Wochen, wenn das Laborergebnis kommt.“ Für so manchen der 1000 Betriebe kann die Sperrung auch die Existenz gefährden.

Wie Böse gegenüber dem IK deutlich macht, muss die Frage geklärt werden, wie die Schadstoffe überhaupt in das Futter gelangt sind. Technische Mischfettsäuren fallen unter anderem bei der Herstellung von Biodiesel aus Soja-, Raps- oder Palmöl an – so auch bei dem Biodieselhersteller in Deutschland. Über einen holländischen Betrieb wiederum soll der betroffene Futtermittelhersteller aus Schleswig-Holstein die Mischfette bezogen haben. Dieser habe angenommen, dass die Mischfette für die Futtermittelherstellung geeignet seien und hat damit sieben weitere Futtelmittelwerke beliefert. Eine Charge davon, so Böse, soll verseucht gewesen sein. Der Biodieselhersteller meint nun, er habe ausdrücklich gesagt, dass das Fett nur für technische Zwecke eingesetzt werden darf. „Jeder versucht nun, sich gegenseitig den schwarzen Peter zuzuschieben“, so Böse.

Wendt spricht von einem erheblichen Imagesschaden und von schwerwiegenden Folgen für die Lebensmittelproduktion, auch wenn sichergestellt sei, dass für den Verbraucher keine Gefahr bestehe. „Wir befinden uns bei den Schadstoffen im Nanogramm-Bereich, auch wenn der Toleranzbereich nicht überschritten werden darf.“ Wichtig sei nun, bei der Aufklärung nach Außen zu informieren und so für Transparenz zu sorgen. Unter anderen sei dafür im Ministerium in Hannover ein runder Tisch gegründet worden.

Nach Meinung von Eckehard Niemann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), handelt es sich bei dem neuen Skandal um die „Spitze eines schmutzigen Futtermittel-Eisbergs“. Oftmals würden „zweifelhafte Komponenten“ zusammengemischt, um Entsorgungskosten zu sparen. Wegen der verschlungenen Wege sei dies kaum noch kontrollierbar. Niemann fordert eine enger gefasste Positivliste von Rohstoffen, die in Mischfutter Verwendung finden dürfen und einen vollständigen Schadenersatz der Landwirte.

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