Gehälter hoch? Niedersachsen überlegt noch

Bundesländer im Wettbewerb: Der Kampf um Lehrer

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(Symbolbild)

Hannover/Gifhorn. Droht bald eine Abwanderung von Grundschullehrern ins benachbarte Sachsen-Anhalt? Beobachter befürchten, dass der Wettbewerb der Bundesländer um den rar gewordenen Lehrernachwuchs negative Auswirkungen auf die Schullandschaft im Nordkreis haben könnte.

A 13 statt A 12 für Grundschullehrer – das ist eine der Forderungen, mit der die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im September vor den Landtag in Hannover gezogen war. Mario Toborg, Sprecher der GEW im Landkreis Gifhorn, sagt: „Viele Bundesländer haben die Gehälter angehoben oder entsprechende Pläne entwickelt.“ Vor allem in grenznahen Regionen könne das dazu führen, dass sich Grundschullehrer beruflich neu orientieren – ohne umziehen zu müssen. Die Länder stehen vor einem Domino-Effekt: So bieten etwa Brandenburg (ab 1. Januar) und Sachsen ihren Grundschullehrern bereits A 13 – und das dürfte Nachbarn wie eben Sachsen-Anhalt unter Zugzwang setzen.

Der früher angeführte Grund für unterschiedliche Bezahlung von Grundschul- und Gymnasiallehrern – eine unterschiedlich lange Ausbildungszeit – sei mit der Einführung der Master-Studiengänge entfallen, meint Toborg. Der Philologenverband – eine Lehrergewerkschaft, die vor allem die Pädagogen an den Gymnasien vertritt – sieht das anders: Am Gymnasium gebe es höhere Anforderungen für die Lehrer. Daher: Wenn an den Grundschulen A 13 kommt, dann soll es an Gymnasien bei A 14 losgehen. GEW-Mann Toborg findet, die Arbeit an beiden Schulformen sei „qualitativ wertvoll“ und solle nicht gegeneinander ausgespielt werden. Der Philologenverband wehrt sich derweil gegen den „Einheitslehrer“.

In Niedersachsen gibt es rund 70.000 Lehrer – da tut die Politik sich mit Gehaltserhöhungen schwer. „Die Ministerien prüfen das gerade, es gibt noch keine Entscheidung“, sagt der Landtagsabgeordnete Tobias Heilmann (SPD, Ummern). Die Gefahr der Abwanderung sieht auch er: „Wo ein Mangel ist, da entsteht Wettbewerb.“ Das Kultusministerium spricht von einem „Stufenplan“, mit dem man die Besoldungsstruktur der Lehrkräfte „überarbeiten“ wolle. Einen festen Zeitplan gebe es nicht: „Gleichwohl ist sich die Landesregierung der Bedeutung und der Notwendigkeit dieses Prozesses sehr bewusst und wird ihn schnellstmöglich angehen.“

Und Sachsen-Anhalt? Hat sich auch noch nicht entschieden. Aus dem Magdeburger Kultusministerium heißt es, es gebe eine „allgemeine Debatte“, aber keinen Fahrplan für eine A 13-Einführung. „Aber“, so Sprecher Stefan Thurmann, „wir bieten ein gutes A 12 – und eine Unterrichtsstunde weniger.“ Der Wettbewerb läuft.

Von Holger Boden

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