„Fluch der Globalisierung“

Isenhagener Land: Etwa 200 Medikamente nicht verfügbar

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Auch in den Apotheken im Isenhagener Land sind einige Medikamente nicht verfügbar, wie eine Rundfrage bei Apothekern zeigt.

Isenhagener Land – Der Medikamentenmangel macht auch vor dem Isenhagener Land nicht halt. So sind laut Ahmed El-Hawari, der drei Apotheken in Wesendorf und Wahrenholz betreibt, momentan zwischen 180 und 200 Medikamente nicht verfügbar.

„Früher waren das 5 bis 10“, sagt El-Hawari.

Für ihn sei das ganz klar ein „Fluch der Globalisierung“: „Es ist kaum vorstellbar, dass selbst ein Allerweltsmedikament wie Ibuprofen weltweit nur in zwei Fabriken hergestellt wird.“ Er finde es mehr als bedenklich, dass die nationale Medikamentenversorgung in Deutschland etwa im Kriegsfall nicht sichergestellt sei.

Auch dem Knesebecker Apotheker Dr. Klaus Wallis macht diese Abhängigkeit von Lieferungen aus fernen Ländern Sorgen. Er registriert derzeit einen Engpass beim Antidepressivum Venlafaxin, beim Blutdrucksenker Candesartan – und bei zig weiteren Präparaten: „Wir haben zurzeit 157 Positionen offen“, sagt Wallis mit Blick auf seine Bestell-Liste.

Ein Dilemma: Apotheker, die beim Großhandel eine Charge eines raren Medikaments entdecken, greifen in möglichst großem Umfang zu – eine Vorratswirtschaft, die punktuell die Engpässe verstärken kann. Doch freilich will jeder Apotheker seine Kunden bestmöglich versorgen können, das bedeutet mitunter auch viele Telefonate mit vielen Lieferanten. Manchmal lässt sich auf Generika ausweichen, doch trifft der Medikamentenmangel besonders jene Patienten schwer, für deren Arznei es keinen Ersatz gibt.

Maren Pannek kann die Engpässe in ihren Apotheken in Brome und Rühen bestätigen. „Es sind bei uns 200 verschiedene Medikamente, die wir gar nicht oder in viel zu kleinen Mengen ausgeben können.“ Die Situation betreffe auch in ihren Apotheken verschiedene Wirkstoffe. „Ob Schmerzmittel oder Schilddrüsenpräparat – es trifft uns überall.“ Pannek schätzt auch die zukünftige Perspektive als schlecht ein. „Im Moment versuchen wir bestimmte Medikamente zu sammeln oder auf ähnliche Wirkstoffe zurückzugreifen, was aber bei zum Teil sehr kurzen Laufzeiten nicht möglich ist.“

Lars Wasserscheidt, Apotheker in Hankensbüttel, hat derzeit ebenfalls mit den geschilderten Lieferschwierigkeiten zu kämpfen. „Sie haben eine besondere Dimension“, hält er im IK-Gespräch fest. Man reagiere darauf mit noch früheren Vorbestellungen als sonst. „Es gibt immer wieder Ware, aber sie kommt dann von verschiedenen Herstellern.“ Die verunsicherten Kunden, die andere Präparate gewohnt sind, müssten daher verstärkt beraten werden. Positiv sei, dass die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände und auch die große Politik bis hoch nach Brüssel die Thematik auf dem Schirm haben.  red

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