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Sassenburg: Kugeltopf gefunden

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Von: Burkhard Ohse

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Ein zerdrückter Kugeltopf wurde bei Ausgrabungen in Sassenburg gefunden.
Ein zerdrückter Kugeltopf war der bisher wichtigste Fund. © Ohse, Burkhard

Sassenburg – Lange war es unklar, ob es die Sassenburg überhaupt gibt. Umfangreiche Voruntersuchungen, auch aus der Luft, ergaben dann Strukturen an der vermuteten Stelle. Die liegt zwar noch im Stadtgebiet Gifhorn, dennoch wurden die Archäologen im vergangenen Jahr bei Grabungen fündig (das IK berichtete).

Reste einer Wallanlage mit einem Durchmesser von rund 60 Metern wurden gefunden und konnten datiert werden. Die verkohlten Balken, ein Zeichen, dass die Anlage niedergebrannt wurde, stammen von Bäumen, die 994/995 geschlagen wurden, erklärte Kreisarchäologe Dr. Ingo Eichfeld. Gemeinsam mit der archäologischen Arbeitsgemeinschaft des Landkreises Gifhorn und dem ehrenamtlich Beauftragten der Kreisarchäologie Heinz Gabriel sowie einer Gruppe von Studenten der Uni Leipzig vom Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte unter der Leitung von Uwe Kraus war bereits im letzten Jahre einige Wochen gegraben worden. Durch das Freilegen der Balkenreste und der Verfärbungen der Sandschichten wurde nicht nur die Existenz der Sassenburg bewiesen, sondern auch wichtige Erkenntnisse über den Aufbau der Wallanlage gewonnen.

„In die Zeit, in der die Wallanlage errichtet wurde, fallen die Lutizenaufstände“, erklärte Eichfeld. „Das waren slawische, nicht christianisierte Stämme, die sich unter dem Stamm der Lutizen vereinigten, um gegen die bereits christianisierten Sachsen zu kämpfen. Dabei ging es nicht nur um die Christianisierung, sondern auch um Steuerzahlungen.“ Der Landkreis war damals Grenzgebiet zwischen den Bistümern Hildesheim, Halberstadt und slawischen Siedlungsgebieten.

Wer die Sassenburg nun errichtete, wird derzeit mit einer weiteren Grabung in dem Areal versucht, herauszufinden. „Wir hoffen, eventuelle weitere Strukturen zu finden oder Keramiken mit Verzierungen, die Hinweise auf die Erbbauer geben“, sagte Eichfeld. Mit großem und kleinem Gerät wird derzeit gegraben, der Sand gesiebt, um keine Fundstücke zu verlieren. Zwar wurden schon Keramiken gefunden, aber die weisen ein Rollmuster auf, wie es im 14. Jahrhundert üblich war. Eine Vermutung ist daher, dass die Burg auch nach ihrer ursprünglichen Verwendung als Ringwall in der späteren Zeit als Unterschlupf, Aufenthaltsort oder Rastplatz genutzt wurde.

Kugeltopf durch Landwirte beschädigt?

Eisenstücke, ein Wetzstein und ein Knopf sind schlecht zu datieren, weitere Keramikteile weisen keinerlei Verzierungen auf. Auch Relikte aus der Jungsteinzeit fanden die Archäologen. „Der Platz war wohl schon zu dieser Zeit für einen Aufenthalt geeignet“, so Eichfeld. Wichtigste Funde sind bisher Querverbindungen der Wallanlagen, die das Bild der Befestigung abrunden. Auch deuten Verfärbungen im Boden für die Fachleute auf weitere Ständer hin.

Vergangene Woche gab es dann eine kleine Sensation. Ein zerdrückter, aber sonst kompletter Kugeltopf wurde im Boden gefunden. Doch schon vor der Bergung konnte festgestellt werden, dass keine Münzen darin versteckt waren. Da der Boden vor etlichen Jahrzehnten auch beackert wurde, kann durchaus auch landwirtschaftliches Gerät dafür gesorgt haben, dass das Gefäß beschädigt wurde, so die Archäologen.

Ob es eine weitere Grabung im kommenden Jahr geben wird, steht indes noch nicht ganz fest. „Das wäre aber wünschenswert“, sagte Eichfeld. Die Ergebnisse dieser Grabung sollen an diesem Freitag, 19. August, zwischen 13 und 17 Uhr schließlich der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

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