Landkreis Gifhorn: Region von rückläufiger Zahl der Erwerbspersonen besonders betroffen

IHK: Zuwanderung erwünscht

Prognose: Bis zum Jahr 2031 sinkt die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter im IHK-Bezirk um 131 000 Personen.
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Prognose: Bis zum Jahr 2031 sinkt die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter im IHK-Bezirk um 131 000 Personen.
  • VonJens Schopp
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Landkreis Gifhorn. In fünf Jahren könnten in Deutschland rund 1,8 Millionen Arbeitskräfte fehlen. Davon etwa eine halbe Million Akademiker, wie eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos kürzlich offenbarte.

Dass die Entwicklung nicht vor den Toren des Landkreises Gifhorn stoppt, ist der zuständigen Industrie- und Handelskammer nicht verborgen geblieben. „Diese Probleme werden sich nicht von selbst lösen“, so Olaf Kahle, Präsident der IHK Lüneburg-Wolfsburg. Die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter (15 bis 65 Jahre) sinke im IHK-Bezirk stetig. Heute seien es noch etwa 755 800 Menschen, 2031 werden es nur noch rund 624 000 Erwerbspersonen sein.

Bis 2031 wird der Landkreis Gifhorn laut Prognosedaten des Landes rund zwölf Prozent seiner Bevölkerung verlieren. Allerdings: „Insgesamt gehört der IHK-Bezirk Lüneburg-Wolfsburg deutschlandweit zum soliden Mittelfeld. Chancen und Risiken sind ausgeglichen verteilt“, so Kahle.

Aber die Luft werde dünner. Rund 85 Prozent aller Regionen mit guten Zukunftschancen lägen in Süddeutschland. In Norddeutschland zeigten Regionen aus dem Mittelfeld eine leichte Tendenz ins Negative. „Unsere Region gehört schon heute zu denen mit der geringsten Bevölkerungsdichte in Niedersachsen“, weiß Kahle. Das bedeute: Wenn in den nächsten Jahren die Zahl der Erwerbspersonen weiter zurückgehe – und darauf deuteten laut IHK alle Prognosen hin – sei die hiesige Region davon besonders betroffen.

Gleichwohl wolle die IHK den Wettbewerb aufnehmen. Die Region wolle sich dem Buhlen um Fachkräfte stellen und Menschen für sich gewinnen. „Der Landkreis Gifhorn und die Stadt Wolfsburg haben dabei mit dem Kraftzentrum VW gute Voraussetzungen“, sagt IHK-Präsident Kahle.

Auch sieht die IHK durch die verstärkte Zuwanderung von Flüchtlingen und Asylbewerbern Chancen für den Arbeitsmarkt der Region: „Die Zuwanderung ist eine Chance für die wirtschaftliche Entwicklung des IHK-Bezirks“, sagt Kahle. Deshalb müssten Flüchtlinge möglichst schnell und unbürokratisch in Ausbildung oder Arbeit gebracht werden. Aufgabe der Politik sei es, optimale Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Kammer werde schon jetzt regionale Impulse setzen.

Die IHK wolle mit den Landkreisen, den Arbeitsagenturen, Jobcentern und Verbänden Projekte umsetzen, die Flüchtlingen auf dem deutschen Arbeitsmarkt bei der Orientierung helfen. Man werde Flüchtlinge mit bereits im Ausland erworbenen Berufsabschlüssen über die Möglichkeiten der Anerkennung ihrer Abschlüsse beraten, kündigt Kahle an.

Von Jens Schopp

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