Homeschooling: Gifhorner Polizei warnt vor Störern

Tatort Videokonferenz

Ein Schüler sitzt bei einer Videokonferenz vor seinem Laptop.
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Wenn Videokonferenzen beim Homeschooling für Schmähungen oder fragwürdige Parolen missbraucht werden, hört der Spaß auf. Die Polizei will Lehrer und Eltern für die Problematik sensibilisieren.
  • Holger Boden
    vonHolger Boden
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Landkreis Gifhorn – Die neuen Strukturen des Schulunterrichts in Corona-Zeiten bieten auch eine neue Plattform für groben Unfug und kriminelle Handlungen: Die Polizeiinspektion Gifhorn sensibilisiert derzeit Lehrerkollegien wie auch Eltern per Rundbrief über das sogenannte Zoombombing. Der Begriff umschreibt das Stören von Videokonferenzen.

Das reiche von unsachlichen Kommentaren bis hin zum Teilen „von unerwünschten, abstoßenden und zum Teil rechtswidrigen Inhalten wie Pornografie, Verherrlichung von Gewalt oder rassistische und antisemitische Ansichten“, erläutert Kriminalhauptkommissarin Liane Jäger, Beauftragte der Gifhorner Polizei für Jugendsachen. Die Täter seien in der Regel unberechtigte Personen, die sich illegal Zugang zu Videokonferenzen verschafft haben.

Aber auch das Verhalten der (jugendlichen) Nutzer selbst kann Anlass für Ermittlungen sein. So hatte Ende Januar ein 16-jähriger Realschüler aus Gifhorn den Unterricht gestreamt. Die Polizei leitete daraufhin Ermittlungsverfahren wegen der Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes sowie wegen eines Verstoßes gegen das Kunsturhebergesetz ein. Auch die Schulleitung und der Lehrer wollten Anzeigen erstatten.

Laut Jäger ist dies im Kreisgebiet bisher der einzige Fall dieser Art, der bekannt geworden ist. Eltern rät sie, mit ihren Kindern die richtigen Verhaltensweisen beim digitalen Lernen zu thematisieren – Schule solle auch im virtuellen Raum ein Ort der Sicherheit, der Verlässlichkeit und des Vertrauens sein. Wichtig seien daher respektvoller und wertschätzender Umgang miteinander, und alle Beteiligten bräuchten ein Bewusstsein dafür, dass auch im Netz zivil- und strafrechtliche Gesetze gelten. Heißt zum Beispiel: keine Beleidigungen, keine üble Nachrede, keine Veröffentlichung von Bildern ohne Einverständnis des Fotografierten oder Gefilmten. Wer Bild- oder Tonaufnahmen aus einem virtuellen Klassenzimmer ins Netz stellt, begeht eine Straftat. Dass fremdenfeindliche, volksverhetzende, pornografische oder gewaltverherrlichende Inhalte nicht in den Online-Unterricht gehören, sollte sich von selbst verstehen. Die Polizei betont: Auch die Weitergabe von Passwörtern und Zugangsberechtigungen kann zu einer Strafanzeige führen.

Schulen sind gehalten, der Polizei strafrechtlich relevante Vorkommnisse zu melden. Auch Eltern können sich in solchen Fällen an jede Polizeidienststelle wenden.

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