„Baubegleitung hat sich gelohnt“

Historischer Kastenbrunnenfund in Gifhorn

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Das Foto zeigt Rolf Baalmann von der Arbeitsgemeinschaft Archäologie bei der Bergung des Brunnens. 

Gifhorn – Nachdem im Juni auf der Baustelle Herzog Franz Straße 28 bis 30 in Gifhorn zwei Siedlungsgruben entdeckt und dokumentiert wurden, kam am letzten Tag in der Tiefe noch ein historischer Kastenbrunnen zum Vorschein.

Erste Spuren des Brunnens auf der Oberseite waren zunächst durch schwache Verfärbungen im Sand sichtbar.

Ursprünglich war er 2,30 Meter tief und aus 3,5 Zentimeter starken Eichenbohlen von 90 Zentimeter Länge gebaut. Nur die untersten Bohlen im Bereich des Grundwassers haben sich erhalten. Darüber war das Holz nach vielen hundert Jahren nur noch als dunkler Humusstreifen im hellen Boden zu erkennen. Wie Heinz Gabriel, Beauftragter für Denkmalpflege im Kreis Gifhorn informiert, wurden diese Hölzer nach der Dokumentation geborgen und zur weiteren Bearbeitung mitgenommen. Die archäologische Baubegleitung habe sich gelohnt,

Da die Eichenbohlen gut erhalten waren und genügend Jahrringe aufwiesen, bot sich eine dendrochronologische Untersuchung zur Altersbestimmung an. „Diese Untersuchung durch das Deutsche Archäologische Institut in Berlin führte nun zu einem tollen Ergebnis“, informiert Gabriel. Dieser Brunnen ist über 500 Jahre alt, er wurde um 1510 gebaut. Am Boden des Brunnens fanden sich die Reste eines Holzeimers (Daubeneimer), mit dem sicherlich das Wasser aus dem Brunnen geholt wurde.

Dieser Brunnen ist ein weiterer Beleg der frühen Wasserversorgung in der Stadt. „Wir haben seit 1982 im Gifhorner Stadtgebiet etwa zehn Brunnen bei archäologischen Baubeobachtungen entdeckt“, so Gabriel. Drei verschiedene Bauweisen seien dokumentiert: Kastenbrunnen (Holzbohlen wurden als Brunnenwandung verbaut), Baumbrunnen (ausgehölte Baumstämme wurden bis in den Grundwasserbereich abgetieft) und Brunnen, bei denen als Wandung Sandsteinplatten benutzt wurden. Manche Brunnen seien auch in Kombination mit allen drei Techniken gebaut worden. Der bislang älteste Brunnen (Baumbrunnen) wurde im Jahr 2014 in der Lüneburger Straße entdeckt, mit Hilfe der Dendrochronologie datiert auf das Jahr 896.

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