„Durch die Arbeit integriert“

Hilfe für Langzeitarbeitslose im Landkreis Gifhorn

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Machen auf die Hilfen für Langzeitarbeitslose aufmerksam: Andreas Standop (v.l.), Andreas Ebel, Jens Rannenberg, Jens Severitt und Rolf Amelsberg.

Gifhorn – Auch wenn die Zahl der Arbeitslosen kontinuierlich zurückgeht und die Quote beim Landkreis Gifhorn bei 3,8 Prozent liegt, gibt es immer noch rund 1000 Langzeitarbeitslose, darunter 650, die mehr als sechs Jahre Leistungen vom Jobcenter beziehen und in dieser Zeit kein Einkommen aus Erwerbstätigkeit hatten.

Lohnkostenzuschuss bis zu 100 Prozent

Durch das Teilhabechancengesetz, das seit dem Jahresanfang gilt, gibt es die Möglichkeit für das Jobcenter, Langzeitarbeitslose sozialversicherungspflichtig zu beschäftigten. Bis zu fünf Jahren kann dabei ein Lohnkostenzuschuss gewährt werden. „Das ist eine Möglichkeit, Langzeitarbeitslose unkompliziert in ein Arbeitsverhältnis zu bekommen“, führt Kreisrat Rolf Amelsberg aus.

Für eine berufliche Qualifizierung stehen pro Arbeitslosen 3000 Euro zur Verfügung. „Und wir haben noch genug Potential zu vermitteln“, sagt Andreas Standop, Geschäftsführer des Jobcenters. Die Maßnahme sieht nicht nur einen Lohnkostenzuschuss von bis zu 100 Prozent vor, sondern auch eine Vorbereitung auf die Beschäftigung und ein begleitendes Coaching, erklärte Standop.

Denn nach derart langer Arbeitslosigkeit sei es nicht einfach, wieder einer geregelten Arbeit nachzugehen. „Bei dem 100-Prozentigen Lohnzuschuss haben wir bisher 31 Langzeitarbeitslose fördern können, bei dem 75-prozentigen Lohnzuschuss sind es weitere elf, die wir in ein Beschäftigungsverhältnis vermitteln konnten“, nennt Standop weitere Zahlen.

„Starke Partner“ an der Seite

Allen voran macht bei der Möglichkeit die Dachstiftung Diakonie mit. „Die sind ein starker Partner“, lobt Amelsberg. Die Diakonie bietet ein breites Portfolio an Berufen. Im Elektro- oder Gartenbereich, bei Heizung und Sanitär, im Kraftfahrzeugbereich oder bei anderen Dienstleistungen sowie in Küche, Hauswirtschaft und Bistro gebe es Möglichkeiten. „Wir sind da sehr nah am Kunden“, sagt Diakonie-Vorstand Jens Rannenberg.

Verschiedene Berufe zur Auswahl

Möglichkeiten könnte es auch in Verwaltungen oder als Hausmeister geben. In der Diakonie gebe es zudem Mitarbeiter mit einer sonderpädagogischen Zusatzausbildung. Das zahle sich aus. „Wir haben in der Vergangenheit auch Beschäftigte in den ersten Arbeitsmarkt vermitteln können“, berichtet Rannenberg. Doch auch andere Arbeitgeber wie vor allem der öffentliche Dienst oder Handwerksbetriebe können die Chance nutzen. Rannenberg sieht das Engagement seines Hauses als Anregung für andere Unternehmen. „Es ist immer besser, Arbeit statt Arbeitslosigkeit zu finanzieren“, betont er.

Das Gesetz geht auf die Initiative von Amelsberg, der Diakonie, dem Jobcenter und Arbeitsminister Hubertus Heil zurück. „Der Arbeitsminister nahm es mit und das hat sich nun in dem Ergebnis niedergeschlagen“, sagt Rannenberg. „Man rechnet damit, dass ein Langzeitarbeitsloser genauso lange wie für die Reintegration in den Arbeitsmarkt braucht, wie er arbeitslos war.“

Integration durch Arbeit

Die Mobilisierung durch das Jobcenter sei nicht einfach. „Aber durch die Arbeit fühlen sich die Menschen schnell integriert“, fügt Jens Severitt, Geschäftsfrüher der Diakonischen Betriebe, hinzu. Gezahlt werde für die Beschäftigten Tariflohn, wie bei der tarifgebundenen Diakonie, mindestens aber der Mindestlohn. Flexibel ist man mit dem zeitlichen Verhältnis zwischen produktiver Arbeit und beruflicher Förderung. Das werde individuell gehandhabt. „Zu Beginn überwiegt oft die Beratung und die Unterstützung. Aber dafür gibt es ja auch die Förderung“, sagt Geschäftsführer Severitt. Weitere Informationen für Arbeitgeber gibt es beim Jobcenter unter (0800) 4555520.

VON BURKHARD OHSE

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