SPD-Kandidat holt fast zwei Drittel der Stimmen

Heilmann wird neuer Landrat in Gifhorn

Tobias Heilmann nimmt Glückwünsche zu seiner Wahl zum Landrat entgegen.
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Parteigenossen empfingen Tobias Heilmann jubelnd im Rittersaal des Gifhorner Schlosses.
  • VonBurkhard Ohse
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  • Holger Boden
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Landkreis Gifhorn – Die rund 900 Mitarbeiter der Gifhorner Kreisverwaltung haben einen neuen Chef: Der SPD-Kandidat Tobias Heilmann hat gestern Abend einen deutlichen Sieg gegen Amtsinhaber Dr. Andreas Ebel (CDU) eingefahren: 64,06 Prozent der Wähler entschieden sich für den Ummeraner, der derzeit noch für die Sozialdemokraten im Landtag sitzt. Für die CDU spiegelte das einen schwarzen Abend wider, der von starken Verlusten im Bund ebenso gekennzeichnet war wie auf lokaler Ebene von einer Niederlage im Rennen um das Amt des Samtgemeindebürgermeisters in Brome (siehe Seite 6).

Die SPD hatte derweil reichlich Grund zum Feiern. „Ich bin einfach nur überwältigt und überglücklich“, sagte Heilmann. „Ich bedanke mich bei den Wählerinnen und Wählern für ihr Vertrauen und dass sie mich heute zum neuen Landrat gewählt haben.“ Der Ummeraner ergänzte, er könne „es kaum erwarten, meine Arbeit als Landrat des Landkreises Gifhorn anzutreten“.

Der Trend zeichnete sich bereits kurz nach 18 Uhr ab, als die ersten Wahllokale ihre Stimmzettel ausgezählt hatten. Heilmann ging früh mit fast schon Zweidrittel-Mehrheit in Führung. Ebel, der 2014 noch die Landratswahl gegen zwei Mitbewerber mit 60 Prozent für sich entschieden hatte, hing gestern von Anfang an bei einem Wert um 35 Prozent fest. Der Christdemokrat konnte damit sein Ergebnis des Wahlabends vom 12. September (33,87 Prozent), an dem vier Konkurrenten ausschieden, nur unwesentlich steigern, er kam am Ende auf 35,94 Prozent. In den vier Nordkreis-Kommunen zeigte sich überall dasselbe Bild: Heilmann irgendwo über 60 Prozent, Ebel irgendwo zwischen 35 und 40 Prozent.

Der Gifhorner Rittersaal füllte gestern ab 20 Uhr vor allem mit Sozialdemokraten. Bei jedem Zwischenergebnis Jubel, auch bei den Ergebnissen der parallel laufenden Bürgermeisterwahlen. Um 20.30 Uhr betrat Heilmann mit seiner Ehefrau Simone den Rittersaal. „Es fällt mir echt schwer, Worte zu finden“, sagte der Ummeraner. Frühmorgens habe er noch Tennis mit seinem Sohn gespielt, danach die Niederlage des VfL Germania gegen Wilsche auf dem Fußballplatz ansehen müssen. Der Abend brachte für ihn dann ein besseres Ergebnis. Das sei „schwer beeindruckend“, sagte Heilmann und betonte die „Teamleistung“.

„Tief enttäuscht“ zeigte sich derweil Amtsinhaber Ebel. „Ich hätte mir gewünscht, dass meine Arbeit der letzten sieben Jahre mehr Bürger erreicht hätte. Als Demokrat erkenne ich das Ergebnis aber an, gratuliere Herrn Heilmann und wünsche dem Landkreis eine weiterhin positive Entwicklung.“ Der CDU-Kreisvorsitzende Andreas Kuers wollte das Ergebnis erst einmal „auf allen Ebenen richtig analysieren“. „Aber der Bundestrend schlägt bis unten runter“, meinte er. Arbeit und Wahlkampf Ebels seien jedenfalls „hervorragend“ gewesen.

Der SPD-Unterbezirksvorsitzende Philipp Raulfs war unterdessen hocherfreut. Nun habe man neben dem ersten Platz bei der Kreistagswahl auch das Amt des Landrats geholt. Überglücklich zeigte sich die ehemalige Landrätin Marion Lau.

Auch AfD-Kreischef Stefan Marzischewski-Drewes gratulierte dem Wahlsieger. „Die Deutlichkeit des Ergebnisses ist allerdings überraschend.“ Man biete dem neuen Landrat die Zusammenarbeit an.

Der Bundestagsabgeordnete Hubertus Heil (SPD) erwähnte in seiner Reaktion auf den Wahlabend gestern zunächst einmal gar nicht das eigene Abschneiden oder das seiner Partei auf Bundesebene – sein erster Blick galt dem Resultat der Stichwahl im Landkreis Gifhorn: „Ich freue mich wahnsinnig, dass Tobias Heilmann neuer Landrat in Gifhorn wird.“ Das Ergebnis sei in der Höhe „ein starker Vertrauensbeweis“.

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Ingrid Pahlmann zeigte sich enttäuscht vom Stichwahl-Resultat. „Aber das hat sich nach den Wahlempfehlungen der Mitkandidaten abgezeichnet. Wer rechnen kann, konnte wissen, dass es sehr, sehr schwer wird, das auszugleichen.“

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