Ritt durch den Welt-Irrsinn

Hagen Rether zeigt in Gifhorn kuriose Lebensweisen auf

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Das Klavier blieb diesmal stumm, die Bio-Bananen verteilte Hagen Rether ans Publikum. 

Gifhorn – Fast dreieinhalb Stunden machte es sich Hagen Rether am Mittwochabend im Drehsessel auf der Bühne der Gifhorner Stadthalle gemütlich, plauderte, zuweilen mit drastischen Worten, und am Ende gab es für den bekennenden Tierschützer – etwas vom Tier.

Ein Glas Honig plus Kartoffeln, wie es bei den Heißen Kartoffeln üblich ist.

Davor ging es um Verantwortung, Menschen im Allgemeinen und dem Irrsinn, der sich auf der Welt abspielt. Rether ließ nichts aus. Seine Lieblingsgegner: Die Christlichen Parteien, die katholische Kirche und der weiße Mann. Und eigentlich ist es ganz einfach. Viele gute Ideen wurden schon bekämpft, und heute fragt man sich, wie war es eigentlich vor der Gutpflicht oder den raucherfreien Räumen? Und dennoch gibt es heute immer noch 60.000 Metzger in Deutschland. Und es fehlen 60.000 Altenpfleger im Land. Rether sah eine Lösung. Doch stattdessen fliegt Politiker Spahn in die Schwellenländer, um Menschen zu schürfen, für den deutschen Arbeitsmarkt. Und das nach 600 Jahren Kolonialismus. Rether drehte den Spieß um. Afrikaner beuteten Diamantenminen bei Bielefeld aus, schossen Nashörner im Bayrischen Wald und ließen deutsche Kinder Coltan schürfen. Beklemmend, aber aus Sicht von Afrikanern ist es wohl so.

Auch dem Tierwohl widmete sich Rether. Kurioserweise muss man nach dem Gesetz ein Tier fragen, wenn man mit ihm Sex haben, nicht aber, wenn man es schlachten will. Es gibt kein Recht auf Grillen, Riesenstraßenpanzer oder Leberwurst, dagegen brauche man Gesetze, Regeln und Verbote, befürwortete Rether.

Und statt jeden Tag die christlichen Werte zu verteidigen, sollten man die Werte lieber leben. „Dann manifestieren sie sich und bekommen Strahlkraft“, meinte der Kabarettist. Immerhin sei er jetzt noch froh über Merkel, wenn er sehe, was danach kommt. „Merkel muss sich auch gedacht haben, was für ein bräsiges Volk sie am Arsch hat, wenn das gegen Flüchtlinge wettert.“

Seit 2000 Jahren halte man den christlichen Samariter hoch, und dann knickt man beim ersten Stresstest ein. Der Mantel des Heiligen St. Martin, hierzulande immerhin aus Hermelin, von anderen Ländern zusammengenäht, wolle man nicht teilen. Problem für manche Deutsche. „Wir bauen den Juden zu viele Moscheen“, wie Rether auf der Straße erfuhr.

Doch wenn man Menschen das Kopftuch herunterreiße, müsse man sich nicht wundern, wenn das auch bei Kipas passiere. Es habe 40 Jahre gedauert, bis ein Türke Tatortkommissar wurde, nachdem er sonst immer den Vergewaltiger und Drogenhändler spielen durfte. Und es habe 2008 Jahre gedauert, bis der erste schwarze Präsident wurde in einem Land, das der schwarze dem weißen Mann gebaut habe, das dieser zuvor dem roten Mann weggenommen hatte.

Und weiter aus Amerika: „Der Regenwald ist unser Schweinefutter, unser Wohlstand ist anderer Untergang.“ Kinder seien nicht die Zukunft, sondern die Gegenwart. „Und sie werden die Erwachsenen, die wir verdienen“, prognostizierte Rether.

Übrigens, so plauderte er, es ginge ihm nicht um Schuld, sondern um Verantwortung, um mündige Bürger. Das Publikum klatschte bisweilen verhalten, wohl ertappte sich mancher selber ob Rethers Kritik. Aber man blieb bis zum Schluss bei der Stange. Dem Argument, es ändere sich ja doch nichts, setzte Rether entgegen, dass sich seit Kriegsende sehr viel geändert habe.

Viel Wahres an diesem Abend, doch zumeist war es Theorie. Aber wie Rether sagte, „das Grundeis für unsere Ärsche wird mit dem Klimawandel weniger“.

VON BURKHARD OHSE

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