Auch im Landkreis Gifhorn stören Schaulustige die Rettung

Härtere Strafen für Gaffer

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Auch Sichtschutzplanen mit dem Piktogramm „Fotografieren verboten“ verschrecken viele Gaffer nicht. Härtere Gesetze sollen da nun Abhilfe schaffen. 

Landkreis Gifhorn. Sie zücken in Notfällen ihr Handy, halten das Leid anderer fest und behindern oft direkt die Hilfskräfte: Gaffer. Um diese abzustrafen, hat dank einem ausgeweitetem Gesetz nun auch die Justiz ein neues Werkzeug zur Hand.

Das Gaffen ist gerade auf der Autobahn ein Problem. Deshalb gibt es Bußgelder für jene, die auf dem Rettungsstreifen fahren oder gar parken und so die Rettungskräfte behindern. Doch mit 20 und 25 Euro sind diese Strafen eher gering. Mehr Freiheit bietet der Gesetzgebung das Gaffen als Ordnungswidrigkeit. Wird diese festgestellt, so kann der Täter mit bis zu 1000 Euro abgemahnt werden.

Angemessen hart ist die Strafe für unterlassene Hilfeleistung. Wer beispielsweise an einem Unfallort statt diesen abzusichern und Erste Hilfe zu leisten lieber sein Smartphone zückt und fleißig Bilder macht, begeht damit eine Straftat. Das heißt, er kann sich auf eine empfindliche Geldstrafe und in manchen Fällen sogar auf eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr einstellen. Bereits Ende letzten Jahres ist besonders auf Drängen des Landes Niedersachsen noch ein wichtiger Zusatz mit in das Gesetz hineingeschrieben worden. Dieser ermöglicht es, die Handys und Kameras der Gaffer einzuziehen.

Ob man dies gerade bei größeren Menschenmengen durchsetzen kann, ist hingegen fraglich. „Der Einsatzerfolg steht natürlich im Vordergrund. Es geht in erster Linie darum, Menschenleben zu retten“, erinnert Thomas Reuter, Sprecher der Polizeiinspektion Gifhorn. Demnach habe es immer Vorrang, den Unfallort zu sichern, die Verletzten zu bergen oder den Brand zu löschen. Da habe man keine Zeit, die Störer zu sanktionieren. Dies geschehe bestenfalls nebenbei. Reuter hofft dennoch, dass „viele das Gaffen wegen der hohen Strafen unterlassen. Oder zumindest, weil sie ihr Handy nicht verlieren wollen.“

Schon länger gibt es ein Gesetz, dass den „höchstpersönlichen Lebensbereich“ einer Person vor Aufnahmen und deren Verbreitung schützen soll. Dieses wurde ausgeweitet, so dass Bilder, die die Hilflosigkeit einer Person darstellen, verboten werden können. Wer also nun ein Unfallopfer ablichtet, kann mit einer hohen Geldstrafe und bis zu zwei Jahren Haft rechnen.

Damit hat die Justiz auf ein relatives Novum im Verhalten der Gaffer reagiert. „Seitdem jeder ein Smartphone hat, passiert das öfter“, sagt Kreisbrandmeister Thomas Krok, „dann ist die Anfahrt erschwert oder die Menschen stehen lebensrettenden Maßnahmen im Weg.“

Umstehende, die die Rettungswege und -kräfte blockieren, waren seit jeher ein Problem, doch im Zeitalter von mobilem Internet und Smartphones hat nun jeder dieser Menschen eine hochauflösende Kamera mit direktem Draht in die Welt dabei. Die Folge sind verwerfliche Bilder von Unfallopfern, die sich rasend schnell verbreiten und diese auch noch nachträglich bloßstellen. Die Feuerwehrkameraden selbst sind „zum Schutz der Opfer alle längst in Persönlichkeitsrechten geschult worden“, berichtet Krok.

Den Zivilisten vor Ort ist es zwar verboten, Bilder von am Unfall beteiligten Personen zu machen, allerdings gibt es einem Haken. Das Gesetz gilt bisher nur, wenn das Opfer auch überlebt hat. Die Toten schützt es hingegen nicht. Die Länder Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen haben nun einem Entwurf zugestimmt, der auch die Rechte der Toten verteidigt. Zudem soll, wenn möglich, schon der Versuch, solch pietätlose Bilder aufzunehmen oder sie zu verbreiten, hart bestraft werden.

Von Dennis Tesch

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