Nitratwerte im Isenhagener Land oft erhöht – was an Düngung vor mehr als 20 Jahren liegt

Grundwasser mit langem Gedächtnis

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Nitrate aus Düngung können im Grundwasser noch nach Jahrzehnten nachweisbar sein.

Landkreis Gifhorn. Dünger auf den Feldern, Nitrat im Grundwasser: Landwirten wird wegen der Düngemittel oft Umweltverschmutzung vorgeworfen. Ganz so einfach ist die Erklärung aber nicht.

Nach Kartenmaterial des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz ist für viele Bereiche des Gifhorner Nordkreises ein deutlich erhöhter Nitratgehalt im Grundwasser erkennbar. Der ist jedoch nicht das Resultat des Düngers, den Landwirte im letzten Jahr ausgefahren haben.

„Bei diesen Werten handelt es sich um Altlasten. Das Nitrat braucht 20 bis 25 Jahre, um sich durch den Boden ins Grundwasser abzusetzen“, erklärt Klaus-Dieter Böse, Geschäftsführer des Landvolk-Kreisverbandes Gifhorn. Dies bestätigt auch Antje Präger, Leiterin des Fachbereichs Umwelt beim Landkreis Gifhorn. Auch sie sieht einige problematische Gebiete im Landkreis. „Der Landkreis selbst hat keine eigenen Messpegel, daher liegen uns keine konkreten Zahlen vor“, ergänzt ihr Stellvertreter Otto Weichsler. „Aber das ist eine Entwicklung, die auch an uns nicht spurlos vorüber zieht.“

Eine einfache Lösung für Nitratablagerungen im Grundwasser gibt es laut Präger und Weichsler nicht. Wohl aber Maßnahmen zur Linderung des Problems. „Zwischenfrüchte sind als Nitratsammler eine wirklich gute Möglichkeit. Außerdem hilft es auch, Felder auch im Winter umzupflügen.“

Auch die Landwirte reagieren und versuchen, ihren Teil beizutragen, um das Problem in den Griff zu kriegen. „Ganz auf’s Düngen zu verzichten geht einfach nicht“, betont Böse. Aber viele Landwirte würden bereits Zwischenfrüchte anbauen.

Generell geht der Trend langsam weg von chemisch-synthetischen Düngemitteln: Niedersachsens Landwirte ersetzen offenbar immer häufiger Mineraldünger durch hofeigenen Wirtschaftsdünger. Das geht aus einer Mitteilung des Landvolk-Pressedienstes, basierend auf Zahlen des Bundesamtes für Statistik zur Düngemittelversorgung, hervor. Danach ist der Großhandelsabsatz stickstoffhaltiger Mineraldünger von 2014/15 bis 2015/16 um mehr als 50 000 Tonnen Rein-Stickstoff auf aktuell 267 016 Tonnen zurückgegangen. Damit liegt der Stickstoffabsatz für das Jahr 2015/16 deutlich unter dem langjährigen Mittel von gut 300 000 Tonnen. „Das ist ein eindeutiger Beleg für die erfolgreichen Bemühungen unserer Landwirte, Düngemittel noch wesentlich gezielter einzusetzen und insbesondere Mineraldünger einzusparen“, wertet Landvolkpräsident Werner Hilse die Zahlen.

Auch vor dem Landkreis Gifhorn macht diese Entwicklung nicht halt – im Gegenteil. „Wir haben hier in der Region überdurchschnittlich viele Biogasanlagen“, erklärt Böse. „80 Prozent des hiesigen Maisanbaus wandern in die Biogasanlagen. Die entstehenden Gärreste sind ein gutes Düngemittel und können chemisch-synthetische Mineraldünger ersetzen.“

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