Grünzeug nicht in den Wald

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Viele entsorgen ihre Gartenabfälle einfach im Wald – auch im Landkreis Gifhorn. Was jedoch kaum jemand weiß: Ob Kühlschrank oder Grünzeug: beides ist illegal.

Landkreis Gifhorn. Bei wilder Müllentsorgung im Wald hat jeder sofort das Bild von Fernsehern, Kühlschränken oder Autoreifen vor Augen. Dass aber auch die Entsorgung von Gartenabfällen illegal ist, wissen nur die Wenigsten.

Grund genug für die Vereinten Nationen, das Jahr 2011 zum Internationalen Jahr des Waldes auszurufen, um die Wälder wieder stärker in das Bewusstsein der Menschen zu rücken. „Der Wald wird häufig differenziert betrachtet. Für die einen ist er eine Oase der Erholung, für die anderen einfach nur eine Müllkippe“, merkt Bernhard Hoffmann vom Fachbereich Umwelt der Landkreisverwaltung, an.

Als Problem bezeichnet Hoffmann, dass viele Menschen Grünabfälle nicht als schädlich betrachten. „Dabei gibt es aber Pflanzenarten, die sich ausbreiten und dabei die Landschaft verändern“, weiß Hoffmann. So wird beispielsweise die Waldbodenflora im unmittelbaren Ablagerungsbereich erstickt und es findet keine Nährstoffanreicherung statt. Auch können für den Landkreis Gifhorn standorttypische Arten wie Siebenstern, Moose oder Flechten verdrängt werden – durch Arten, die Stickstoff lieben.

Nicht selten können sich standortfremde Pflanzen durch Saatgut oder Gartenpflanzen so in der Natur ausbreiten – und das mit außerordentlich unangenehmen Folgen: der Sachalin-Knöterich zum Beispiel kann riesige Reinbestände bilden, die immer weiter um sich greifen.

Desgleichen der Bärenklau, der darüber hinaus bei Berührung mit der bloßen Haut zu äußerst unangenehmen und schlecht abheilenden Verbrennungserscheinungen führen kann. Letztendlich hat die veränderte Zusammensetzung der Pflanzenarten auch Auswirkungen auf die Kleintierwelt.

Wie Hoffmann erläutert, ist das Abladen von Gartenabfällen in Landschafts- und Naturschutzgebieten ein Verstoß gegen die Schutzvorschriften, der auch Bußgelder zur Folge haben kann. „Bei uns im Landkreis Gifhorn müssen die Straßenmeistereien ausrücken und die Abfälle entsorgen. Die Kosten dafür gehen zu Lasten des Steuerzahlers“, informiert Landrätin Marion Lau. Das Problem sei, dass bei diesen Menschen kein Unrechtsbewusstsein herrscht, weil sie sich des Problems der Gartenabfälle nicht bewusst seien.

Daher sei es nach Ansicht von Lau und Hoffman sehr wichtig, die Menschen in dieser Hinsicht immer mal wieder zu sensibilisieren. Was eignet sich da besser, als schon bei den Kleinsten in der Gesellschaft anzufangen? Hoffmann hat dabei Ausflüge in die Natur im Blick: „Für die Kleinen ist der Wald der Wohnort von Feen, Elfen und Fabelwesen. Was ist einfacher, als ihnen auf eine andere Art und Weise die Natur näher zu bringen?“, fragt Hoffmann.

Mit Blick auf die globale Seite dieses Themas: Was im Großen gilt, kann im Kleinen nicht grundlegend anders gesehen werden. Wie Hoffmann erläutert, sei die Politik der hohen Schornsteine oder die Verklappung auf hoher See zu Recht angeprangert worden. Wer seine Grünabfälle aber in den Kofferraum des Autos stecke und am nächsten Waldrand einfach ablädt, der verschaffe sich auch Vorteile auf Kosten der Allgemeinheit.

Von Carola Peiser

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