Vortrag im Gifhorner Schloss: Biber ist im Drömling und an kleiner Aller heimisch

Größter einheimischer Nager

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Um sich niederzulassen benötigt der Biber einige Voraussetzungen – unter anderem einen fünf Meter breiten Uferstreifen. Im Kreis Gifhorn gibt es an der kleinen Aller und gleich nebenan im Drömling Bibervorkommen.

Gifhorn. Sowohl der Mensch als auch der Biber gestalten ihren Lebensraum aktiv. Und beide machen das aus eigennützigen Gründen.

Im Unterschied zum Menschen stellt Castor fiber albicus, so der lateinische Name für den Biber, aber keinen Bauantrag, wartet nicht auf die Genehmigung, arbeitet dafür aber schneller und vor allem viel billiger als der Mensch. Dass das für die Natur wichtig ist, erklärte Anke Willharms in ihrem Vortrag über den größten einheimischen Nager, von dem es derzeit 30 000 Exemplare in Deutschland gibt, im Historischen Museum in Gifhorn.

Anke Willharms hatte neben ihrem Vortrag auch Biberfelle zur Anschauung mitgebracht.

Die Lebensraumveränderung durch den Biber hat unter anderem eine größere Artenvielfalt in dem Bereich zur Folge, denn andere Tierarten finden ihre Nischen in der Umgebung, die von abgenagten und umgestürzten Bäume, gestauten Gewässern und anderen Veränderungen des Bibers herrühren. „Dabei braucht der Biber selber einige Voraussetzungen, um sich niederzulassen“, sagt Willharms. Fünf Meter Uferbreite gehören dazu, und das wird ihm nicht immer geboten. Im Kreis Gifhorn gebe es an der kleinen Aller und gleich nebenan im Drömling Bibervorkommen, die sich langsam nach Westen ausbreiten. Eine Überbevölkerung sei aber nicht zu befürchten. Die wenigen Feinde wie der eingewanderte Mink oder Greifvögel, die sich bisweilen Jungbiber schnappen, würden den Biber kaum dezimieren. Er mache sich vielmehr selber Konkurrenz.

„Jeder Biber hat sein Revier, dass er vor allem gegenüber Artgenossen sehr heftig verteidigt.“ Das kann mittelbar auch den Tod eines in ein fremdes Biberrevier eingedrungenen Bibers bedeuten. Daher suchen sich herangewachsene Biber ein eigenes Revier. Auch der Wolf traut sich kaum an den Biber, der im ausgewachsenen Zustand immerhin 1,25 Meter lang und mit 25 bis 30 Kilogramm schwerer als ein Reh wird, weil er mit seinen scharfen Frontzähnen ein gefürchteter Gegner ist. „Ansonsten ist er dem Menschen gegenüber eher scheu. Wenn man einen Biber in der Natur sehen will, dann muss man sich frühmorgens oder in der Dämmerung auf die Lauer legen. Und man braucht ein scharfes Auge, denn der Biber wird leicht mit der Nutria aus Südamerika verwechselt, das ihm aber keine Konkurrenz macht“, weiß Willharms. Auch Jäger müssen in der Ansprache sehr sicher sein, betonte die Biber-Expertin, denn die Jagd auf den Biber stelle eine Straftat dar. Das Tier sei durch europäische und Bundesgesetze stark geschützt.

Am ehesten sei der Biber noch an der Kelle, seinem platten Schwanz, zu erkennen, der ein Allroundinstrument ist. Er dient zum Steuern beim Schwimmen, zum Abstützen, zum Alarmschlagen und als Fettspeicher. Gefährlich sei dem Biber allein der Mensch in der Vergangenheit geworden. Nicht nur von der Kanalisierung der Flussläufe, die ihm den Lebensraum nahmen, wurde der Biber bedroht, auch wegen seines Fells, Fleischs und des Bibergeils genannten Duftstoffes wurde er gejagt. Der fand auch bei Paracelsus als Antiepileptikum Anwendung, nachdem er mit Honig und Moschus und drei Schädeln von „durch gewaltsamen Tod ums Leben gekommen Männern“ destilliert werden musste, bevor man das Ganze mit rauchender Schwefelsäure und Alkohol versetzte.

Heutzutage fallen immer noch Jungbiber dem Straßenverkehr, Krankheiten oder Verdauungsproblemen zum Opfer. Denn die Verwertung der Baumrinde, die der Biber neben anderer ausschließlich vegetarischer Kost zu sich nimmt, ist nicht ganz einfach. Bäume nagt er übrigens nur ab, um an die oberen Rindenschichten zu kommen. Holz isst er nicht, sagte Willharms. Und auch die bekannten Biberhochburgen gibt es eher selten. „Meist baut er sich ein Erdloch am Flusslauf“, erklärte Willharms, die im Hankensbütteler Otter-Zentrum das Aller-Projekt betreut.

Allerdings gibt es einen Rekordbau in Kanada. Dort ist ein Biberdamm 870 Meter lang, sieben Meter breit und vier Meter hoch. Da müssen Generationen gebaut haben, mutmaßte Willharms über die Tiere, die gerne in Generationenbauten leben. Zur Anschauung hatte sie Biberfell, Schädel und Zähne sowie Hörsequenzen mitgebracht.

Von Burkhard Ohse

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