Noch ein Neuer?

Goldschakale breiten sich aus - Im Kreis Gifhorn bisher wohl nicht

Ein Goldschakal
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Der Goldschakal hat sich auch in Niedersachsen angesiedelt, wurde aber noch nicht im Landkreis Gifhorn gesichtet.
  • Holger Boden
    vonHolger Boden
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Im Windschatten des Wolfes ist ein weiteres Raubtier in Niedersachsen heimisch geworden, das bis vor wenigen Jahren keine Rolle in der hiesigen Fauna spielte: der Goldschakal.

Landkreis Gifhorn – Auch schon im Landkreis Gifhorn? Bisher wohl nicht, zumindest sind noch keine Sichtungen registriert.

„Wir haben dazu im Kreisgebiet noch keine Meldung bekommen“, sagt Angela Heider, Pressesprecherin der Jägerschaft im Landkreis Gifhorn, auf IK-Anfrage. Natürlich verfolge man aber mit Interesse die Berichte über mögliche Vorkommen.

So war im Juni 2020 ein Goldschakal an der A7 bei Kirchhorst angefahren und getötet worden – gerade mal 50 Kilometer Luftlinie von Gifhorn entfernt. Im Nachbarkreis Celle hat es auch bereits Spekulationen über mögliche Sichtungen gegeben. Als gesichert gelten in Niedersachsen neben dem verendeten Exemplar bei Kirchhorst bisher lediglich drei Nachweise bei Cuxhaven (2) und Osnabrück.

Eine Anwesenheit des Goldschakals im Landkreis Gifhorn würde Heider persönlich für weitgehend „unproblematisch“ halten. Sie ist sich aber bewusst: „Die Meinungen darüber werden auseinandergehen, auch in der Jägerschaft.“ Es gebe in solchen Fällen nun einmal ein Spannungsfeld: einerseits mehr Druck auf Vögel (Bodenbrüter) und Niederwild durch ein weiteres Raubtier – was der Deutsche Jagdverband auch kritisch sieht –, andererseits eben eine neue Art Wild, „die hier ihre Heimat finden wird“.

Gefahr für Fuchsbestand?

Seit dem ersten niedersächsischen Nachweis 2015 diskutieren Experten über das Tier, das eine Ähnlichkeit mit Fuchs und Wolf aufweist, und das früher zwischen Südosteuropa und Asien beheimatet war. Über das Baltikum hat der Goldschakal sich inzwischen nach Westeuropa verbreitet.

Experten nehmen an, dass der Aas- und Allesfresser sich dezimierend auf den Fuchsbestand auswirken könnte. Mit dem deutlich größeren Wolf wiederum kann der Neuankömmling es nicht aufnehmen. Wo Wölfe sind, dürften die kleineren Verwandten keine Reviere begründen – im Kreis Gifhorn haben sie also möglicherweise ohnehin schlechte Karten. Für Weidetiere sollen Goldschakale längst nicht so gefährlich sein wie Wölfe. Für Menschen gelten sie als ungefährlich, weil scheu.

In Deutschland dürfen die Zuzügler aktuell nicht bejagt werden. Niedersachsen arbeitet derzeit an einer Novelle des Jagdgesetzes, die den Entwicklungen der letzten 20 Jahre Rechnung tragen soll – dazu gehört auch die Zuwanderung sogenannter Neozoen. Das Kabinett hat dem Entwurf, der noch politisch beraten wird, bereits zugestimmt. In einer Mitteilung der Staatskanzlei heißt es dazu: „Die starke Ausbreitung invasiver Neozoen, wie Waschbär, Marderhund, Nutria, Goldschakal und Nilgans trägt zu negativen Einflüssen auf die biologische Vielfalt und die natürlichen Lebensbedingungen der heimischen Wildarten bei.“

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