Hunderte Versicherte im Landkreis mit alter Gesundheitskarte unterwegs

Gnadenfrist bis zum Herbst

Im Landkreis Gifhorn sind noch hunderte Krankenversicherte mit einer alten Karte ohne Passfoto unterwegs. Foto: dpa

Landkreis Gifhorn. Vorgesehen war sie nicht, aber es gibt noch eine Gnadenfrist von einem halben Jahr. Dann werden in den Arztpraxen nur noch solche Gesundheitskarten akzeptiert, auf denen das Konterfei des gesetzlich Versicherten abgelichtet ist.

Bundesweit haben noch mehrere hunderttausend Versicherte ihre alte Karte in ihren Portemonnaies. Und auch im Landkreis Gifhorn laufen noch hunderte Menschen mit dem eigentlich seit Januar ungültigen Dokument zum Mediziner.

„Die Ärzte können noch bis Ende September mit der alten Karte abrechnen“, sagt Carsten Sievers, Sprecher der AOK Niedersachsen. Patienten würden nicht nach Hause geschickt. Allerdings müsse die Karte über den Jahreswechsel 2013 hinaus Gültigkeit besessen haben. Lege der Patient nicht binnen zehn Tagen nach Behandlung einen gültigen Versicherungsnachweis vor, sei der Arzt berechtigt, dem Versicherten die Behandlungskosten privat in Rechnung zu stellen. Erstattet werden die Kosten nur dann, wenn spätestens bis zum Ende des Quartals ein entsprechender Versicherungsnachweis vorliegt.

Sievers geht davon aus, dass im Landkreis Gifhorn noch rund 400 AOK-Versicherte keine Karte mit einem Foto haben. Insgesamt sind im Landkreis Gifhorn rund 60 000 Menschen bei der AOK versichert.

Die Barmer mit ihren 9500 Versicherten im Landkreis beklagt ebenfalls, dass noch nicht alle Mitglieder eine neue Karte beim Arzt vorlegen können. „Sechs Prozent unserer Mitglieder haben noch keine neue Karte“, sagt Barmer-Sprecher Michael Erdmann. Das dürften um die 570 Mitglieder sein. Bei der hiesigen DAK, die 8960 Mitglieder betreut, seien noch fünf Prozent der Kunden mit der alten Karte unterwegs. Das wären knapp 450 Versicherte.

Die Karte mit Foto sei auch als Missbrauchsschutz für Versicherte und Versicherung eingeführt worden. „Für die alten Karten ohne Fotos hat es in Ballungszentren einen Schwarzmarkt gegeben“, weiß Sievers. Der Schaden sei für die Kassen schwierig zu berechnen, da ein Missbrauch mit viel Zeitverzug auflaufen würde. „Wirklich feststellen kann man einen Missbrauch mit dem alten System erst, wenn nach einem Versicherungsausstritt oder Todesfall noch Monate später weiter Abrechnungen der betreffenden Person auftauchen.“

Von Jens Schopp

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