80 Glockenschläge für Gorbatschow in Gifhorn

Philipp Oppermann (l.) und Horst Wrobel laden alle Interessierten am Mittwoch zum Gedenken und Geburtstag von Gorbatschow ein. Foto: Ohse

ard Gifhorn. Am kommenden Mittwoch, 2. März, wird man die Europäische Freiheitsglocke vor dem Glockenpalast beim Mühlenmuseum in Gifhorn um 19 Uhr 80mal erklingen hören. Der Grund ist der 80. Geburtstag des ehemaligen sowjetischen Staatschefs Michail Gorbatschow, zugleich Friedensnobelpreisträger und persönlicher Freund des Mühlenmuseumschefs Horst Wrobel. „Eingeladen sind ganz formlos alle Interessierten“, freuen sich Wrobel und Mühlenmuseumsgeschäftsführer Philipp Oppermann auf Gäste.

„Gorbatschow hat mit seiner Frau Raissa am 19. September 1996 persönlich den Grundstein für den Glockenpalast gelegt, ist dessen Schirmherr und hat einige Jahre später den Baufortschritt besichtigt. Vor allem aber hat er durch seine Politik von Glasnost und Perestroika deutlich sichtbare Spuren hinterlassen“, verweist Wrobel auf Gorbatschows Beitrag zur Deutschen Einheit und der Einigung Europas. „Das wird immer noch zu wenig gewürdigt“, kritisiert er.

Zwar gibt es am Mittwoch große Veranstaltungen auch in Moskau, London, New York oder Dubai, aber ein sichtbares Denkmal hier in Deutschland fehlt. „Bei der Völkerschlacht von Leipzig sind 20 000 Russen gefallen, und auch denen wird mit dem monumentalen Völkerschlachtdenkmal gedacht. Wenn man die aktuelle Lage in Nordafrika sieht, dann kann man sich denken, wie schnell es ein um vieles größeres Blutvergießen hätte geben können, wenn Gorbatschow damals, am 9. November 1989, nicht so reagiert hätte. Als alle Welt befürchtete, dass womöglich russische Panzer auffahren, ließ er die sowjetischen Soldaten in den Kasernen. Er hat einen großen Anteil daran, dass die Wiedervereinigung und die Einigung Europas so friedlich über die Bühne gegangen sind. Er hat menschliche Größe gezeigt“, sagt Wrobel, der immer noch Kontakt zu Gorbatschow pflegt.

Und der hatte einst gefordert, mit konkreten Projekten das „gemeinsame Haus Europa“ zu errichten. Wrobel entschied sich, mit dem Glockenpalast, der Europäischen Freiheitsglocke und der russisch-orthodoxen Kirche eine Gedenkstätte zu errichten, leider bisher ohne öffentliche Unterstützung, wie der Mühlenmuseumschef beklagt. Am 2. März nun sollen diesem „bedeutenden Staatsmann und Friedensnobelpreisträger Gorbatschow mit den Glockenschlägen in besonderer Weise gedankt und gedacht werden“. Der Gifhorner Männerchor wird „Noch viele Jahre“ auf Russisch singen, auch die Trachtentanzgruppe wird dem Geburtstagskind zu Ehren ein Ständchen bringen. Nach einer Ansprache kann der Glockenpalast besichtigt werden, in dem unter anderem auch eine Dauerausstellung an Michail Gorbatschow erinnert.

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