Gifhorner Ökonom will für Unternehmen im Landkreis Kontakte herstellen

Fachkräfte aus Rumänien?

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(SYmbolfoto) Rumänen und Bulgaren dürfen jetzt in der gesamten EU arbeiten.

Landkreis Gifhorn. Dass Rumänen und Bulgaren jetzt in der gesamten EU arbeiten dürfen, ist bisher vor allem unter dem Schlagwort „Armutszuwanderung“ diskutiert worden.

Doch ein Gifhorner Ökonom sieht in der neuen Freizügigkeit große Chancen, dem Fachkräftemangel zu begegnen.

Hans-Jürgen Stümpel

„Ich glaube schon“, sagt Hans-Jürgen Stümpel auf die Frage, ob er denn durch Arbeitskräfte aus den Schwarzmeer-Anrainerstaaten auch Perspektiven für Handwerker im Landkreis Gifhorn sieht – beispielsweise Elektriker –, die auf dem hiesigen Arbeitsmarkt keinen qualifizierten Nachwuchs mehr finden. Stümpel hat bis vor einigen Jahren den Landkreis Gifhorn in wirtschaftlichen Fragen beraten und befasst sich zurzeit mit den Möglichkeiten der Beschäftigung deutschsprachiger Arbeitnehmer aus Osteuropa. Mit einem russischen Ehrendoktortitel ausgestattet, hat der Gifhorner gute Kontakte, unter anderem nach Rumänien, wo er seit langem als Dozent an der Babes-Bolyai-Universität von Cluj tätig ist.

Cluj liegt in Siebenbürgen, der deutsche Name der Stadt ist Klausenburg. Laut Stümpel gibt es dort ein großes Potenzial an jungen Menschen, die der deutschen Sprache mächtig sind und „gern in Deutschland arbeiten möchten“. Zudem studiere dort eine stattliche Zahl deutscher Studenten – er wisse von „2000 bis 3000 Absolventen in Wirtschaftswissenschaften, die ihren Unterricht auf Deutsch bekommen“.

Stümpel ist überzeugt, dass aus Rumänien – neben Akademikern – Nachwuchskräfte aus technischen und kaufmännischen Berufen ebenso angeworben werden können wie aus dem Handwerk und dem Pflege- und Betreuungsbereich. Der Ökonom, der nach wie vor sein Büro in Gifhorn hat, ist überzeugt: „Eine relevante, für den hiesigen Bedarf notwendige Aus- und Weiterbildung ist dort möglich.“

Manfred Lippick

Stümpel will nun hiesige Unternehmen und rumänische Arbeitskräfte zusammenbringen: Für den Mai plant er eine Reise in die Region Cluj, wo Gespräche mit dortigen Unternehmern, Arbeitnehmern, Hochschulvertretern und der Botschaft geplant sind. Wer sich dafür interessiert, kann sich unter (05371) 50438 bei Stümpel melden, der über die Nachwuchsgewinnung hinaus auch Möglichkeiten der Kooperation mit dortigen Firmen sieht. Der Gifhorner Kreishandwerksmeister Manfred Lippick sieht die von Stümpel skizzierten Perspektiven derweil etwas reserviert. Man werde sich dem Vorstoß sicher nicht verschließen, aber: „Ich bin dafür, dass wir erst einmal unsere eigenen Jugendlichen unterbringen.“ Gleichwohl müsse er einräumen, dass „nicht alle ins Handwerk wollen“.

Lippick ist auch deshalb skeptisch, weil die Berufsausbildungen in Deutschland und Rumänien bisher nicht vergleichbar seien. Sorgen mache es ihm zudem, wenn deutsche Firmen auf der Suche nach Fachkräften zu sehr in fremden Gefilden wildern: „Ich halte nichts davon, diesen Ländern alle Jugendlichen wegzunehmen.“

Von Holger Boden

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