Nein zur Anlage

Gifhorner Kreistag spricht sich gegen Atommüll-Logistikzentrum bei Bechtsbüttel aus

Beim ehemaligen Kernkraftwerk Würgassen in Nordrhein-Westfalen regt sich Widerstand gegen das geplante Atommüll-Logistikzentrum. An zweiter Stelle ist Bechtsbüttel im Landkreis Gifhorn gelistet.
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Beim ehemaligen Kernkraftwerk Würgassen in Nordrhein-Westfalen regt sich Widerstand gegen das geplante Atommüll-Logistikzentrum. An zweiter Stelle ist Bechtsbüttel im Landkreis Gifhorn gelistet.

Landkreis Gifhorn – Es war ein einstimmiges „Nein“. Der Kreistag will nicht, dass möglicherweise bei Bechtsbüttel ein Atommüll-Logistikzentrum entsteht.

Das Areal, welches sich zum Teil auf Gifhorner, zum Teil auf Braunschweiger Gebiet befindet, rangiert auf dem zweiten Platz bei der Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ).

An erster Stelle steht das ehemalige Kernkraftwerk Würgassen in Nordrhein-Westfalen. Im „vorausschauenden Gehorsam“ will der Landkreis nun eine Stellungnahme dazu abgeben, erklärte Telse Dirksmeyer-Vielhauer den Antrag der CDU, SPD, FDP, Unabhängigen und Grünen. Bei der Problematik waren sich alle Parteien, inklusive der AfD, einig: Wer an zweiter Stelle steht, kann auch schnell an erster Stelle stehen.

Am Atommüll-Logistikzentrum sollen schwach- bis mittelradioaktive Abfälle aus dem Bundesgebiet gebündelt werden. Anschließend geht es zum Endlager „Schacht Konrad“ bei Salzgitter. Aus dem Antrag geht hervor: „Es ist hierbei die Rede von einer Stahlbetonhalle mit 60 000 Kubikmeter Einlagerungsvolumen und einer Umschlagkapazität von 15 000 Containern.“ Und weiter: „Der Bau eines Lagers für radioaktive Abfälle in der dicht besiedelten Gegend ist unvernünftig und unangemessen. Er wird keine Akzeptanz in der hiesigen Bevölkerung finden.“

Favorit: Würgassen in Landkreis Höxter

Zwar favorisiert das BGZ den Standort Würgassen (Landkreis Höxter). Doch falls dies – aus welchen Gründen auch immer – nicht umsetzbar ist, soll an den acht alternativen Standorten in Brandenburg, Hessen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt nach einem Ort für das Logistikzentrum gesucht werden. Und dann wäre Bechtsbüttel wohl schnell der Favorit.

Und in Würgassen regt sich schon länger Widerstand gegen das Atommüll-Logistikzentrum. Bürgermeister, Landräte und Landtagsabgeordnete im Dreiländereck zwischen Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen sprachen sich über Partei- und Ländergrenzen hinweg gegen die Pläne aus.

Komplizierte Einlagerungslogistik

Doch warum braucht es überhaupt ein Zwischenlager, wenn doch am Ende des Tages alles im Schacht Konrad landet? Am oder in der näheren Umgebung des ehemaligen Eisenerzbergwerkes lasse sich kein geeignetes Grundstück im Bundesbesitz für ein Zwischenlager finden. Und eine dezentrale Anlieferung – so schreibt es die BGZ unter logistikzentrum-konrad.de/fragen – sei mit hohen zeitlichen Risiken behaftet. Das Endlager Konrad wiederum benötigt aufgrund einer komplizierten Einlagerungslogistik eine kontinuierliche Anlieferung von passgenauen Chargen an Abfallbehältern. „Die radioaktiven Abfälle können also schneller eingelagert werden, was einen Sicherheitsgewinn für alle bedeutet“, schreibt die BGZ dazu.

303 000 Kubikmeter Atommüll für Konrad

2027 soll Schacht Konrad in Betrieb genommen werden. Das Endlager ist für 303 000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abfälle genehmigt. Dies entspricht laut BGZ der Abfallmenge, die beim Betrieb und beim Rückbau deutscher Atomkraftwerke sowie in Forschung, Industrie und Medizin angefallen ist. Sobald der Atommüll eingelagert ist, soll das Logistikzentrum wieder abgerissen werden oder wird anderweitig genutzt, wenn die Region dies wünscht.

Der Landkreis Gifhorn begründet seine Ablehnung vor allem dadurch, dass die Gegend dicht bebaut sei. Zudem befinde sich in 300 Metern Entfernung die Siedlung Lauseheide. Und nicht zuletzt wurde die Bahnstrecke gerade fit gemacht, sodass der Erixx im Stundentakt fahren kann. Auch die Verlegung zusätzlicher Anschlussgleise, sowie die damit einhergehende Zerstörung von Waldflächen sieht der Kreistag als Argumente gegen den Standort Bechtsbüttel. VON MAX A. MORRISON

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