Unterstützung für Heilmann

Gifhorner Grüne für SPD-Kandidaten

Das Gifhorner Schloss ist Sitz der Kreisverwaltung.
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Wer wird Landrat in Gifhorn? Die Grünen wollen den SPD-Kandidaten Tobias Heilmann als neuen „Schlossherrn“.
  • Holger Boden
    VonHolger Boden
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Landkreis Gifhorn – Tun die Wähler das, was die ausgeschiedenen Landratskandidaten ihnen nahelegen? Wenn ja, dann wäre die Stichwahl am Sonntag quasi schon entschieden, dann dürfte sich SPD-Bewerber Tobias Heilmann auf einen Stimmenzuwachs freuen, der ihn über die 50-Prozent-Marke hebt. Denn jetzt haben auch die Grünen im Landkreis Gifhorn dazu aufgerufen, Heilmann zu wählen.

Der grüne Kandidat Dr. Arne Duncker war bei der Landratswahl hinter Heilmann und Dr. Andreas Ebel (CDU, 33,87 Prozent) als Dritter durchs Ziel gegangen und hatte dabei 11,8 Prozent geholt. Zuletzt hatte schon in der Wahlnacht der Fünftplatzierte Dr. Detlef Eichner (6,7 Prozent) seinen Wählern empfohlen, am 26. September ihr Kreuz beim SPD-Kandidaten zu machen.

Mit den 38 Prozent, die Heilmann selbst am 12. September geholt hat, würde das rechnerisch für mehr als 55 Prozent reichen. Doch freilich ist das eine Rechnung mit mehreren Unbekannten: Gehen alle, die beim ersten Wahlgang ihr Kreuz gemacht haben, auch bei der Stichwahl wieder hin? Mobilisiert die am 26. September gleichzeitig stattfindende Bundestagswahl genauso wie die Kommunalwahl, oder mobilisiert sie andere Wählergruppen? Wählen alle so wie beim ersten Mal, oder lassen sich manche noch zwischen den beiden Terminen von einem anderen Kandidaten überzeugen? Und wie verhalten sich jene Wähler, die am 12. September für Robert Preuß (AfD) gestimmt haben, der auf 8,47 Prozent kam?

Die Grünen haben ihre Wahlempfehlung „an Inhalten festgemacht“, wie Kreissprecherin Imke Byl erläuterte: „Tobias Heilmann hat uns bei entscheidenden Punkten zugesichert, diese als zukünftiger Landrat voranzutreiben und umzusetzen.“ Eine der Kernforderungen, auf die man sich geeinigt habe, sei ein verbindlicher Klimaschutzplan, mit dem der Landkreis bis spätestens 2035 klimaneutral werden solle. Andere Punkte seien Radwegebau und -sanierung sowie Inklusion. Duncker selbst gab sich „überzeugt davon, dass mit der Wahl von Tobias Heilmann auch endlich einige der Herausforderungen im Landkreis angegangen werden“. Ihm selbst seien dabei vor allem die Zusage für ein Biotopvernetzungskonzept bis 2023 und die Unterstützung einer Ökologischen Station im Nordkreis sowie die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum wichtig.

Heilmann erklärte: „Mich freut es sehr, dass die Grünen mir ihre Unterstützung zugesagt haben und sich somit klar dazu bekennen, zusammen mit uns einen Politikwechsel im Schloss zu vollziehen.“ Der erste Wahlgang habe gezeigt, dass die Wähler „den Wechsel wollen“.

Abzuwarten bleibt, ob der rot-grüne Schulterschluss bei allen grünen Wählern ankommt – mit Blick auf schwarz-grüne Bündnisse in Deutschland scheint das kein Automatismus mehr zu sein. Amtsinhaber Dr. Andreas Ebel, gegen den Heilmann am Sonntag in der Stichwahl antritt, will die Empfehlung der Grünen nicht überbewertet wissen: „Was Parteivorstände empfehlen, ist das Eine. Ich setze auf die Entscheidung der Wähler.“

Ebel verweist darauf, dass in seinem Wahlprogramm mehrere Ziele und Vorhaben stehen, von denen er annehmen dürfe, dass sie auch die Klientel der Grünen ansprechen – etwa die Klima-Aktie für den Landkreis, mit der jeder Bürger freiwillig seinen CO2-Fußabdruck verringern können soll, die schnellstmögliche Klimaneutralität der Landkreis-Liegenschaften oder auch Aktionstage zur Sensibilisierung von Schul- und Kita-Kindern. Unter seiner Ägide seien zudem der Klima-Clever-Kompass und die Aktion „Natürlich wild“ eingeführt worden, und seit 2017 gebe es den Aktionstag „Sauberer Landkreis“.

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