Opfer musste Fäkalien füttern

Gifhorner Ehepaar angeklagt – Nebenklägerin sagt in Missbrauchsprozess öffentlich aus

+
Das angeklagte Pädagogenpaar beim Prozessauftakt im Gerichtssaal des Landgerichtes Hildesheim vor rund drei Wochen. Bislang verlief die Verhandlung hinter verschlossenen Türen. 

Hildesheim / Gifhorn – Im Prozess gegen ein Gifhorner Ehepaar wegen schweren sexuellen Missbrauchs und Misshandlung von Kindern hat am Mittwoch erstmals ein Opfer vor dem Landgericht Hildesheim öffentlich ausgesagt.

Die heute 33-jährige Braunschweigerin hat von 1998 bis 2002 in einer Wohngruppe unter dem Dach der Diakonischen Heime Kästorf in Gifhorn gelebt. Dort sollen sich die Taten des Pädagogenpaares von 1998 bis 2007 ereignet haben.

Die meisten Erinnerungen habe sie verdrängt, andere habe sie deutlich vor Augen, sagte die Frau. Dazu gehöre ein silberner Löffel, mit dem sie den Pädagogen mit ihren Exkrementen füttern musste. Zudem habe sie über mehrere Tage mehrlagige Windeln tragen müssen. Dadurch leide sie bis heute unter Beschwerden. Mehrfach habe der Angeklagte mit ihr „Baby spielen“ wollen.

„20 Jahre dachte ich, dass ich die Einzige sei, bis ich im November mit einer anderen Bewohnerin drüber gesprochen habe“, sagte die 33-Jährige. Insgesamt vier ehemalige Bewohnerinnen treten in dem Prozess als Nebenklägerinnen auf. Die Staatsanwältin wirft dem ehemaligen pädagogischen Mitarbeiter den Missbrauch von Kindern in elf Fällen vor, zwei davon in schweren Fällen. Außerdem habe der 56-Jährige vier Mal die ihm anvertrauten Mädchen, die etwa von ihrem sechsten bis 15. Lebensjahr in der Einrichtung lebten, körperlich und seelisch misshandelt.

Der Angeklagte, der mit den Mädchen offenbar seinen Windel- und Exkrementen-Fetisch auslebte, habe Grauenvolles von ihnen verlangt, sagte Staatsanwältin Christina Pannek. Der Ehefrau wird in fünf Fällen die Misshandlung Schutzbefohlener zur Last gelegt. Die 60-Jährige soll Kenntnis von den sexuellen Neigungen ihres Mannes gehabt haben, ohne eingeschritten zu sein.

„Alle haben das mitbekommen“, sagte die Nebenklägerin auf Nachfrage von Richterin Barbara Heidner. Immer wieder habe sie tagelang in einem ein Quadratmeter kleinen Hundekäfig verbringen müssen. Vor ihrer Zeit in der Gifhorner Wohngruppe habe sie in einer Pflegefamilie gelebt. In ihrer eigentlich Familie sei sie als Fünfjährige bereits mit Schlägen, Alkohol und Vergewaltigungen der Mutter durch ihren Vater und weiterer Männer traumatisiert worden.

Der gelernte Erzieher und die Sozialpädagogin betreuten in Gifhorn seit 25 Jahren eine Wohngruppe für hilfsbedürftige und traumatisierte Menschen. Das Ehepaar befindet sich seit Mitte März in Untersuchungshaft. Bislang hat die Hildesheimer Strafkammer im Missbrauchsprozess sechs weitere Termine angesetzt. Im Fall einer Verurteilung drohen den Pädagogen mehrjährige Haftstrafen. In dem Verfahren geht es um insgesamt 19 Fälle. Nach Informationen des Evangelischen Pressedienstes (epd) liegen den Ermittlungsbehörden jedoch Indizien für weitere Opfer vor.

epd

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare