Zulassungsniveau im Kreis unterdurchschnittlich

Gifhorn unplugged: E-Autos ziehen noch nicht so recht

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Ein Elektroauto des Typs Tesla S an einer Stromtankstelle: Elektromobilität erzielt in wirtschaftlich starken Regionen höhere Marktanteile als anderswo.

Hannover/Wolfsburg/Gifhorn. Wolfsburg, Braunschweig und der Landkreis Nienburg liegen bei den Zulassungszahlen vollelektrischer Fahrzeuge niedersachsenweit an der Spitze.

Das meldet die Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg unter Berufung auf eine Untersuchung der Wirtschaftswoche. Demnach fährt die Metropolregion bei der Elektromobilität landesweit vorweg – bundesweit gesehen haben die Niedersachsen bei der neuen Antriebstechnik allerdings nach wie vor nicht so recht angebissen. „Von den zum Jahresbeginn 2018 gezählten 54 000 vollelektrischen Fahrzeugen fuhr die Mehrzahl im Süden und im Südwesten Deutschlands“, lässt Raimund Nowak, Geschäftsführer der Metropolregion, mitteilen.

Im Gebiet der Metropolregion, zu der etwa auch die Stadt Wittingen gehört, waren zum 1. Januar rund 2700 E-Fahrzeuge gemeldet, im restlichen Niedersachsen waren es rund 1870. In der Metropolregion wohnen mit 3.8 Millionen Menschen rund 50 Prozent der Bevölkerung Niedersachsens. Der Marktanteil liegt nach wie vor flächendeckend im Promillebereich, wobei Wolfsburg mit 0,46 Prozent, bezogen auf den Gesamt-Pkw-Bestand, hervorsticht. Braunschweig und der Kreis Nienburg („herausragend im ländlichen Raum“) bieten mit 0,19 bzw. 0,18 Prozent auch schon überdurchschnittliche Werte.

Bundesweit haben vollelektrische Pkw einen Marktanteil von gerade mal 0,12 Prozent. Niedersachsen unterbietet das mit 0,10 Prozent noch. Hamburg (0,18) und Bayern (0,17) liegen vorn, die Sachsen (0,07) und die Thüringer (0,06) hinten.

Der Landkreis Gifhorn liegt in dieser Hinsicht – nach den Zahlen, die die Metropolregion verbreitet hat – mit 70 E-Autos auf dem Niveau von Sachsen: Marktanteil 0,07 Prozent. Allerdings: Der Landkreis selbst ließ gestern auf Nachfrage wissen, dass hier 119 Elektrofahrzeuge zugelassen sind – ein Widerspruch, der sich gestern nicht mehr aufklären ließ, der aber an der Größenordnung der Zulassungszahlen auch nicht viel ändert. Die Nachbarn in Uelzen (34 Fahrzeuge, 0,06) und Celle (79, 0,07) sind beim Kauf der akkubetriebenen Autos ähnlich zurückhaltend.

„Bei der Bewertung der Zahlen für die einzelnen Zulassungsbezirke ist zu berücksichtigen, dass in den Unternehmensstandorten auch die Eigenzulassungen zu Buche schlagen oder die von der Metropolregion betriebene Flotte ‘electric’ zentral in Hannover zugelassen wird“, schreibt die Metropolregion. „So erklärt sich die bundesweite Spitzenstellung von Wolfsburg mit 693 E-Autos.“ Weiter heißt es: „Die guten Zahlen in Nienburg resultieren sicher in erster Linie aus dem E-Carsharing in der Gemeinde Steyerberg sowie dem Engagements eines in der Stadt Nienburg ansässigen Handwerksbetriebes und eines Autohändlers.“

Die Gründe privater Halter für Kaufzurückhaltung sind bekannt: nach wie vor oft geringe Reichweiten bei hohen Anschaffungspreisen – nicht jeder kann oder will sich das leisten. Nowak folgert denn auch: „Höhere Marktanteile findet man in den wirtschaftlich starken Regionen.“

Von Holger Boden

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