Gifhorn: Pflegekonferenz beklagt schlechte Bezahlung und Fachkräftemangel

„Ohne Moos nichts los“

Die Pflegekonferenz traf sich zu ihrer ersten regulären Sitzung. Die verschiedenen Arbeitsgruppen stellten ihre Ergebnisse vor und formulierten ihre Empfehlungen an die Politik. Foto: Ohse

Gifhorn. Sandro Pietrantoni, Vorstand des DRK-Kreisverbands, brachte es bei der Pflegekonferenz im Rittersaal auf den Punkt. „Ohne Moos nichts los. Es geht ums Geld. Wenn wir da nichts bewegen, fahren wir die Pflege gegen die Wand. “.

In ihrer ersten regulären Sitzung trugen gestern vier Arbeitskreise ihre Ergebnisse vor, daraus resultierende Empfehlungen an die Politik wurden gleich mitformuliert. „Man darf nicht immer nur nach oben verweisen. Man muss die Pflege für die Menschen greifbar und erfahrbar machen, die akademische Pflegecharta mit Leben erfüllen und schauen, wo man auf Grenzen stößt“, gab die Erste Kreisrätin Ingrid Alsleben zu bedenken. Das taten die Teilnehmer. „Der Pflegesatz wurde jetzt von 34 auf 37 Euro erhöht. Ein Handwerker kostet dagegen 50 Euro“, erklärte Ralf Fricke, Leiter der stationären Einrichtungen des DRK. Bettina Tews-Harms, Inhaberin eines Pflegedienstes, wehrte sich gegen Forderungen, die Qualität der Pflege bei den gleichen Voraussetzungen wie bisher noch weiter zu steigern. „Das Dilemma ist, dass es einen bunten Strauß von Erwartungen gibt, die wir aber nicht erfüllen können. Wir können alles auf Papier drucken, aber nicht mehr umsetzen. Wir sind schon an eine Grenze gekommen. Jetzt ist mal Schluss.“ Geld sei da, es müsse nur anders verteilt werden. „Als Einrichtung können wir unsere Mitarbeiter nicht immer deckeln und Löcher stopfen.“

Superintendent Michael Thiel fügte hinzu. „Der Ausgangspunkt für die Kampagne muss sein, was wir erreichen können, aber mit einer besseren Ausstattung mit Geld und verbesserten Rahmenbedingungen. Die Akzeptanz des Pflegeberufs fehlt vor allem bei denjenigen, die das Portemonnaie aufmachen müssen.“

Als weiteres Problem wurde der Fachkräftemangel angesprochen. Schlechte Arbeitsbedingungen, große Verantwortung, hohe Arbeitsverdichtung und nicht zuletzt eine schlechte Bezahlung seien für viel abschreckend. „Sie können zwar als Krankenpfleger von ihrem Einkommen leben, aber definitiv keine Familie ernähren“, stellte Martin Adelt, Lehrer an den BBS I klar. Hier würden Gutscheine, etwa für den öffentlichen Nahverkehr, für einen ersten Schritt hin zu mehr Attraktivität des Berufsbildes sorgen. Ähnliche Probleme sah der Papenteicher Samtgemeindebürgermeister Helmut Holzapfel auch bei anderen Institutionen wie der Feuerwehr. Konkret empfahl die Konferenz unter anderem, die Charta und die Institutionen der Pflege auf die Homepage des Landkreises zu setzen und einen Vortrag über die Pflege zu halten, um die Menschen besser aufzuklären und zu informieren.

Ganz konkret war zudem die Forderung, das Formular für die Übergabe neu zu gestalten. „Die Überleitung klappt zwar im professionellen Bereich sehr gut, aber weniger im privaten Bereich“, stellte Ulrike Wunder, Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft, fest.

Von Burkhard Ohse

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