Erinnerung an die Weltkriege

Gifhorn: Neues Konzept für Kriegsgräberfriedhöfe vorgestellt

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Dr. Dirk Reitz stellte das Konzept „19 für 19“ vor.

Gifhorn – Im Jubiläumsjahr des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der am 16. Dezember 1919 gegründet worden war, präsentierte der Geschäftsführer des Gifhorner Kreisverbands, Armin Bunk, am Mittwoch auf der Verbandsversammlung ambivalente Zahlen für den Landkreis.

Zwar stiegen die in 2018 gesammelten Spenden zwischen Ummern und Rühen um rund 500 Euro auf 21 690,59 Euro gegenüber dem Vorjahr, doch sank die Zahl der Mitglieder weiter auf 344.

Denn 28 Austritten stand nur ein Eintritt gegenüber. „Das liegt vor allem an der Altersstruktur unserer Mitglieder“, erklärte Bunk. Dennoch soll das Gedenken und die Erinnerungen an die beiden Weltkriege weiter wach gehalten werden, wie der Kreisvorsitzende und Landrat Dr. Andreas Ebel feststellte.

Ehrung für verdiente Mitglieder

Er ehrte die ausscheidenden Ortsvorsitzenden Erich Grote (Flettmar, seit 2000 im Amt) mit der Weißgoldenen Nadel, Joachim Luther (Grassel, seit 1995) mit der Anerkennungsmedaille und Hermann Kötke (Stöcken, seit 1978) mit dem Gedenkbuch.

Der Historiker Dr. Dirk Reitz stellte das neue Konzept vor, das unter dem Motto „19 für 19“ die Umgestaltung der Präsentationen auf 19 der 832 Kriegsgräberfriedhöfe, die der Volksbund betreut, vorsieht. „Leider haben wir aber nur 14 der 19 Gedenkstätten umbauen können“, berichtete Reitz. Denn aktuelle politische Befindlichkeiten sowie Gesetze stünden mancher Präsentation entgegen. So sei die Sicht auf die Geschehnisse der Vergangenheit etwa auf der Insel Kreta, bei der es Grausamkeiten von deutscher wie auch von Partisanenseite gab, unterschiedlich. Nicht ausgeführt werden konnte auch die Umgestaltung auf einem russischen Friedhof bei Wolgograd, ehemals Stalingrad. Dort sei es verboten, das Ansehen der Roten Armee im „Vaterländischen Krieg zu schmälern. Die Angaben, dass bei Stalingrad 250 000 deutsche Soldaten und ein Vielfaches an russischen Soldaten fielen, impliziere aus russischer Sicht, dass die Rote Armee qualitativ schlechter gewesen sei“, erklärte Reitz.

Biographien von Gefallenen

Weitere Uneinigkeiten gibt es bei der Nennung von Kriegsverbrechern. „Allerdings waren 95 Prozent der Gefallenen Otto-Normalverbraucher oder Gefreite“, sagte Reitz. Bewusst habe man auch Kriegsverbrecher herausgegriffen, um die ganze Bandbreite zu zeigen. Denn zu sehen sind in den Ausstellungen auch Biographien von Gefallenen. „Damit wollen wir das Gedenken verankern und die Erinnerung vor allem auch dabei den nachkommenden Generationen lebendig erhalten“, sagte Reitz. Die Informationen sind bewusst nicht allzu umfangreich gehalten, um die Besucher nicht zu „überwältigen“. „Man soll sich selber Gedanken machen“, sagte Reitz. In den kommenden Jahren sollen weitere Friedhöfe umgestaltet werden.

VON BURKHARD OHSE

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