Studie der Bertelsmann-Stiftung: Kaiserschnitt-Rate regional sehr unterschiedlich

Gifhorn am Ende der Skala

Im Landkreis Gifhorn kamen 2010 etwa 26,5 Prozent der Babys per Kaiserschnitt zur Welt. Im Klinikum Gifhorn beträgt die aktuelle Rate rund 30 Prozent. Damit liegt sie deutlich unter dem statistischen Mittelwert in Deutschland und in Niedersachsen. Foto: dpa

Landkreis Gifhorn. Im Landkreis Gifhorn kommen etwa 26,5 Prozent der Babys per Kaiserschnitt zur Welt. Damit liegt die Quote deutlich unter dem Bundes- und Landesdurchschnitt.

Das geht aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor, die Zahlen des Statistischen Bundesamtes und Versichertendaten aus mehreren Jahren ausgewertet hat.

Deutschlandweit schwankt die Rate der planbaren Geburten aber beträchtlich. „Verantwortlich hierfür ist vor allem die unterschiedliche Risikobewertung der Geburtshelfer in den einzelnen Regionen“, sagt Lars Winkler, Chef der Krankenkasse DAK-Gesundheit in Gifhorn.

Im Durchschnitt kommt jedes dritte Baby in Deutschland per Kaiserschnitt zur Welt – mit erheblichen regionalen Unterschieden. So reichte die Quote im Jahr 2010 von weniger als 20 Prozent in Teilen der neuen Bundesländer bis etwa 50 Prozent in Gebieten von Rheinland-Pfalz, Bayern und Niedersachsen. In Dresden werden zum Beispiel nur 16,9 Prozent der Babys per Kaiserschnitt entbunden, im pfälzischen Landau dagegen 50,7 Prozent.

Im Klinikum Gifhorn beträgt der Anteil der Kaiserschnitte aktuell rund 30 Prozent, sagt Rainer Bödecker, Leitender Oberarzt in der Frauenklinik. „Damit liegen wir zusammen mit Wolfsburg am unteren Ende der Skala in Niedersachsen“, erklärt er im IK-Gespräch. Vor 25 Jahren habe die Kaiserschnitt-Rate noch bei rund 10 Prozent gelegen, seitdem steige sie stetig.

„Der Wunsch-Kaiserschnitt spielt dabei aber nur eine untergeordnete Rolle. In den meisten Fällen gibt es eine medizinische Indikation, einen Kaiserschnitt durchzuführen“, erläutert Bödecker. So nehme die Zahl der Risiko-Schwangeren, beispielsweise aufgrund von Diabetes, zu. Auch wenn das Baby im Mutterleib sehr groß sei, rieten Ärzte zu einem Kaiserschnitt.

Allerdings diskutieren Experten darüber, ob wirklich jede dieser Operationen medizinisch notwendig ist. Die Ärzte hätten einen Ermessensspielraum, den sie offenbar unterschiedlich nutzten, meint Winkler. „Uns fehlen in Deutschland einheitliche Richtlinien, wann ein Kaiserschnitt notwendig ist und wann nicht“, betont er.

Zwar lassen immer mehr Frauen einen Kaiserschnitt auf eigenen Wunsch vornehmen, etwa weil sie Angst vor den Schmerzen haben oder Auswirkungen auf den Beckenboden befürchten, weiß der Gifhorner Krankenkassen-Chef. Doch ein Kaiserschnitt sei alles andere als ein harmloser Eingriff. „Die Operation hat die üblichen Risiken wie Narkoseprobleme, Infektionen und Thrombosen“, erklärt Winkler. Außerdem könne ein Kaiserschnitt lang anhaltende Wund- und Narbenschmerzen, Blutungen und Fruchtbarkeitsstörungen mit sich bringen.

Von Bernd Schossadowski

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