Protest gegen leere Betten

Gifhorner und Wolfsburger Hoteliers hissen Bettlaken

Christiane Schuster (v.l.), Melanie Perricone, Folrian Hary und Heiko Sturm protestieren vor der Brackstedter Mühle mit bedruckten weißen Flaggen gegen leere Betten.
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Mit der Aktion „Wir zeigen Flagge“ protestieren Gifhorner und Wolfsburger Hoteliers (v.l.: Christiane Schuster, Melanie Perricone, Florian Hary und Heiko Sturm) gegen leere Betten.

Landkreis Gifhorn – Mit der Aktion „Wir zeigen Flagge“ protestierten die Gifhorner und Wolfsburger Hoteliers Christiane Schuster, Melanie Perricone, Florian Hary und Heiko Sturm am Mittwoch, 5. Mai, gegen leere Betten. Zwar winken Lockerungen, doch die bestehenden Regelungen bereiten den Gastronomen Sorgen.

Die Dehoga-Kreisverbände Gifhorn und Wolfsburg-Helmstedt lassen nicht nach, um auf die katastrophalen Zustände im Gastgewerbe hinzuweisen. Auf die Aktion „Leere Töpfe“ folgte nunmehr die Aktion „Wir zeigen Flagge“, bei der viele Hotels weiße Bettlaken aus den Fenstern hängen ließen.

Normaler Betrieb nicht möglich

In der Brackstedter Mühle, an der Grenze zwischen beiden Landkreisen, trafen sich der Dehoga-Bezirksvorsitzende Florian Hary, die Kreisvorsitzende Melanie Perricone und Vorstandsmitglied Heiko Sturm mit Hotelinhaberin Christiane Schuster, um auf die Missstände hinzuweisen. „Obwohl wir gerade erfahren haben, dass es in der kommenden Woche Öffnungsperspektiven geben soll, können wir unter den genannten Bedingungen keinen normalen Hotelbetrieb führen“, so der Bezirksvorsitzende. Er kritisiert, dass nur niedersächsische Touristen in den Hotels übernachten dürfen. Dazu müsse jeder Gast einen negativen Antigen-Test oder per Ausweis nachweisen, dass er zweimal geimpft wurde.

Gleiches widerfahre den Gastronomen, die zunächst nur die Außengastronomie öffnen könnten. „Wie sollen wir unter diesen Bedingungen unsere Betriebe öffnen, wenn die Inzidenzwerte zwischen unter und über 100 liegen?“, fragt sich Perricone. „Wenn die Inzidenz in Wolfsburg über 100 liegt, mache ich meinen Biergarten auf, der im Landkreis Gifhorn liegt“, sagt Schubert mit etwas Ironie, weil das Grundstück genau auf der Kreisgrenze liegt.

Ruf nach realistischen Bedingungen

„Wir sehen zwar Licht am Ende des Tunnels, weil man unser Gastgewerbe nicht ganz vergessen hat, aber bitte gebt uns realistische Bedingungen, die auch umsetzbar sind“, so die Forderung Harys an die Politik. „Aus Sicht der Gäste ist es eine Zumutung, unter welchen Auflagen man in Zukunft ein Restaurant besuchen oder einen Urlaub planen kann“, fügt die Kreisvorsitzende hinzu. Schuster bemängelte die Planungsunsicherheit, die derzeit durch sinkende oder steigende Inzidenzwerte vorherrscht. „Wir sind doch Gastgeber und keine Klinikbetreiber“, wies Perricone noch einmal auf die vorzulegenden negativen Testergebnisse hin, die nur einen Tag gültig sind. Sturm geht davon aus, dass die Gastronomie und Hotellerie mit ihren Restaurants frühestens im Juli wieder unter normalen Hygienebedingungen öffnen dürfen. „Schließlich haben wir von Anfang an alle Anforderungen erfüllt, uns an die Auflagen gehalten und dabei hohe Investitionen in Kauf genommen“, so Sturm weiter.

Das Deutsche Haus in Gifhorn beteiligte sich am Mittwoch, 5. Mai, an der Bettlaken-Aktion.

Viele Existenzen sind bedroht

Dehoga-Kreisvorsitzender Armin Schega-Emmerich aus Gifhorn schloss sich den Ausführungen und der Aktion seiner Kollegen an. Er fordert die Bundes- und Landespolitiker auf, der Tourismusbranche verlässliche Perspektiven an die Hand zu geben, seit nunmehr sechs Monaten befinde sich die Branche deutschlandweit im Lockdown. Öffnungsperspektiven sind nicht in Sicht. Viele Existenzen sind bedroht, wichtige Leistungsträger können nicht auf Überbrückungshilfen des Bundes zugreifen – flankierende Dienstleistungs- und Servicebereiche leiden ebenfalls massiv unter dem ausbleibenden Gästeaufkommen. Deshalb haben sich alle Tourismusakteure Niedersachsens zur Initiative „Wir zeigen Flagge“ zusammengeschlossen.

(von Siegfried Glasow)

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