Rasanter Wandel der Arbeitswelt

Gifhorn: Virtuelle Unternehmerrunde mit Arbeitsminister Hubertus Heil

Die Teilnehmer der Videokonferenz.
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Rund 60 Teilnehmer aus der Region Gifhorn/Peine trafen sich mit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil zu einem virtuellen Erfahrungsaustausch. Themen waren die Digitalisierung, der Fachkräftemangel und die Weiterbildung.
  • Paul Gerlach
    vonPaul Gerlach
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Gifhorn – Es ging um die Transformation der Arbeitswelt, als Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) am Mittwochabend zur Diskussionsrunde eingeladen hatte. Transformation in der Wirtschaft bedeutet den Wandel aus demografischen Gründen sowie wegen des Klimawandels und der Digitalisierung. Bestes Beispiel war die Art der Diskussion. Denn die fand wegen der dritten Welle der Pandemie per Videokonferenz statt, obwohl Heil, wie er sagte, die Menschen gerne live gesehen hätte. Knapp 60 Teilnehmer aus der Region Gifhorn/Peine waren mit von der Partie. Zu Beginn gab es Einführungen von Aline Henke, Geschäftsführerin der Hankensbütteler Kunststoffverarbeitung, und von Gabriele Handke, Betriebsratsvorsitzende der Peiner Träger.

Während die Digitalisierung nicht zuletzt wegen der Pandemie an Geschwindigkeit zunimmt, gebe es aufgrund der Demografie einen Facharbeitermangel. Und es wandelten sich Werte, hier vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, was eine Flexibilisierung bei der Arbeitszeitgestaltung nötig mache, leitete Henke ein. „Die betriebliche Praxis muss damit mithalten, und die Entwicklungsgeschwindigkeit ist rasant“, berichtete sie und nannte auch neue Technologien, Robotsysteme und Datenbrillen. Dadurch änderten sich berufliche Anforderungsprofile und Berufsbilder, begleitet von der Angst der Arbeitnehmer, Schritt halten zu können. „Dem müssen wir intensiv begegnen“, stellte Henke klar. In ihrer Firma sind derzeit drei Mitarbeiter als Tranformationslotsen tätig. „Es gibt keine Top-Down-Entscheidungen, sondern Ideen werden von unten nach oben getragen. Man kommt besser damit klar, wenn Vorschläge aus der Mannschaft kommen.“ Gerade im Mittelstand gebe es eine hohe Loyalität zu den Mitarbeitern, etwa in Form von Weiterbildungsangeboten. Die digitalen Angebote böten da deutlich mehr Möglichkeiten, und daher werden einige Formate auch nach der Pandemie bleiben, prognostizierte Henke.

Sorgen macht sich Henke um die „Generation Corona“. Denn mit der derzeitig nötigen Distanz fehlten Berufspraktika oder Berufsorientierung der Schüler. Gerade vom Nachwuchs hänge aber die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen ab.

„Corona hat uns die Augen geöffnet“

Gabriele Handke sah die Transformation eher bezüglich des Klimawandels, aber auch in der Digitalisierung. „Corona hat uns die Augen geöffnet, in welcher Agonie wir gefangen waren, als wir ins Homeoffice umschalten mussten“, berichtete sie. Ausbildung finde derzeit im „Szenario B“ statt, Weiterbildung funktioniere digital „gut“. Auch bei der Stahlproduktion hänge viel vom Finden von Fachkräften und geeigneten Auszubildenden ab. Zudem stehe in Salzgitter etwa an, die Stahlproduktion künftig mit Wasserstoff statt mit Kohle durchzuführen, um dem Klimawandel zu begegnen.

„Was kann man tun, um die Jugendlichen derzeit zu erreichen?“, fragte Hubertus Heil. „Per Social Media“, entgegnete Henke, besser wären aber Praktika und ein direkter Kontakt. Dazu müsse man mehr Menschen für eine berufliche Ausbildung begeistern, fügte Heil hinzu. Denn das sei die Eintrittskarte in ein Berufsleben. Ein Studium sei auch danach noch möglich, zumal es auch duale Studiengänge gebe.

Zudem sei Weiterbildung ein wichtiger Schlüssel für alle Seiten. Der Staat biete da viele Möglichkeiten, sagte der Arbeitsminister, der auch berufliche Bildung ab der 7. Klasse in den Schulen und eine bessere Vorbereitung auf das Berufsleben befürwortete. Weitere Diskussionen, so zum Thema Pflege und Lieferkettengesetz, werden folgen, kündigte Heil an.

(von Burkhard Ohse)

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