„Echter Mehrwert für Patienten“

Gesundheitsministerin lobt Projekt Telemedizin in Gifhorn

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Alle Beteiligten ließen sich von Pflegefachkraft Daniela Kanthak (vorn recht) den Rucksack erklären, mit dem die Fachkraft zu den Patienten kommt. „Die Diagnose bleibt beim Arzt“, betonte Gesundheitsministerin Carola Reimann gestern in einem Gespräch mit den am Projekt beteiligten Partnern. 

Gifhorn – „Das Projekt Telemedizin und Delegation ärztlicher Leitungen ist beispielhaft, Niedersachsen ist da Vorreiter“, urteilte Gesundheitsministerin Carola Reimann gestern. Man habe allerdings viel Zeit und Energie investieren müssen.

Denn vor allem tradierte Zuständigkeiten mussten durchbrochen und neu geklärt werden. Das Projekt soll auch keine Konkurrenzsituation schaffen, sondern einen Mehrwert für die Patienten, nicht zuletzt durch den menschlichen Kontakt.

Denn, so Dr. Armin Saak, für viele ältere Patienten sei es eine Belastung, öfter für eine Blutabnahme beim Arzt zu erscheinen. „Wir reden da auch über Nischenpatienten, die noch nicht in der Pflege sind, aber wegen einer Blutabnahme nicht zum Arzt kommen können.“ In der Praxis sehe es so aus, dass die Pflegekraft mit einem speziellen Rucksack vorbeikommt, um die nötigen Daten zu ermitteln. „Pflegekräfte haben ein gutes Auge, um den Zustand eines Patienten zu erkennen. Die Diagnose bleibt jedoch weiterhin beim Arzt, der auch die Aufträge für die vorzunehmenden Untersuchungen gibt“, bekräftigte Reimann. Die bisher schon 30 derartigen Besuche bei Patienten hatten alle eine sehr positive Resonanz.

Insgesamt rechnet Pflegedienstleiterin Bettina Tews-Harms in der Versuchsphase mit 60 bis 70 Patienten, die von dem Modellprojekt profitieren können. Mit dem Projekt wird auch der Beruf für Pflegekräfte, die speziell geschult werden, attraktiver. Jan Seeger von der AOK Niedersachsen hofft, so dem Fachkräftemangel in der Pflege entgegenzuwirken. Auch Mark Barjenbruch von der kassenärztlichen Vereinigung befürwortete die „Arbeitsteilung mithilfe der Technik“. „Wir haben uns bereits seit fünf Jahren mit dem Thema beschäftigt, es ist Chance und Notwendigkeit zugleich“, urteilte Henning Steinhoff vom Bundesverband der Anbieter sozialer Dienste. Zudem würden „Doppelstrukturen“ vermieden. „Auch wenn der Landkreis noch nicht unterversorgt ist, stehen wir bei der Nachbesetzung ärztlicher Praxen vor Herausforderungen, vor allem im Nordkreis. Daher ist das Projekt ein wichtiger Baustein für die Versorgung und ein echter Mehrwert“, bestätigte Erster Kreisrat Dr. Thomas Walter. Für den Arzt ist das Projekt eine Entlastung. Laut Saak ist die Herausforderung für den Hausarzt, der Vielzahl an Patienten bei immer schwieriger werdender ärztlicher Versorgung vor allem auf dem Lande und den zunehmenden Anforderungen von älter werdenden Patienten mit chronischen Krankheitsbildern gerecht zu werden.

VON BURKHARD OHSE

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