Geistige Reife berücksichtigen

Gifhorns Polizeisprecher zweifelt an Führerschein mit 16

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Verkehrsminister Olaf Lies befürwortet den Führerschein mit 16 Jahren.
  • Carola Hussak
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ola/dpa Hannover/Gifhorn. Niedersachsen will einen Führerschein mit 16 prüfen, nachdem bereits das begleitete Fahren ab 17 in dem Bundesland vor seiner flächendeckenden Einführung erstmals getestet wurde.

Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) befürwortet einen entsprechenden Vorschlag des niedersächsischen Fahrlehrerverbandes.

„Mir ist bekannt, dass viele Fachleute eine Ausweitung der Phase des begleiteten Fahrens von jetzt theoretisch einem Jahr auf dann zwei Jahre für sinnvoll halten.“ Das Unfallrisiko junger Leute habe sich durch das begleitete Fahren ab 17 nachweisbar verringert, auch die Zahl der Verkehrsverstöße sei gesunken. Deshalb könne er sich vorstellen, das Erfolgsprojekt auszuweiten, sagte Lies.

„Begleitetes Fahren ist die günstigste und effektivste Verkehrssicherheitsmaßnahme“, sagte der Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes, Dieter Quentin. Das bisherige begleitete Fahren habe aber einen Haken. Viele junge Leute schöpften das volle Jahr wegen Abiturvorbereitungen gar nicht voll aus, sondern machten den Führerschein erst ein halbes oder ein Vierteljahr vor ihrem 18. Geburtstag. Der Führerschein mit 16 würde da mehr Spielraum geben.

Lies will das Thema nun mit Experten von Polizei, Verkehrswacht, ADAC, Versicherungswirtschaft und Fahrlehrerverband erörtern. Das Ergebnis könnte eine Bundesratsinitiative mit dem Ziel sein, das entsprechende EU-Gesetz zu ändern.

Eher zurück hält sich Gifhorns Polizeipressesprecher Thomas Reuter mit seiner Meinung. Aber auch er bestätigt auf IK-Anfrage: „Das Modellprojekt begleitendes Fahren mit 17 hat sich bewährt. Die Unfallzahlen sind rückläufig.“ Ob es nun sinnvoll sei, das Projekt nun um noch ein weiteres Jahr nach vorne zu verlagern, sei laut Reuter schwierig zu sagen. „Man darf dabei auch nicht die geistige Reife vergessen. Die spielt natürlich eine große Rolle“, weiß der Polizeipressesprecher. Vielleicht, so Reuter, müsste man das Projekt auch erstmal regional starten und dann sehen, ob es sich bewährt.

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