„Es geht um viel“

IG Metall will mit Streiks Forderungen bei Conti-Teves in Gifhorn durchsetzen

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Mit zwei Warnstreiks verliehen die Arbeitnehmer gestern im Gifhorner Conti-Teves-Werk den Forderungen der Gewerkschaften Nachdruck.

Gifhorn. Gestern um Punkt Mitternacht bis 2 Uhr und gegen Mittag ruhte die Arbeit im Conti-Teves Werk für jeweils zwei Stunden vollständig.

250 Arbeitnehmer stellten sich damit hinter die Forderungen der Gewerkschaften bei den Tarifverhandlungen der Metall- und Elektroindustrie. Seitens der Arbeitnehmer stehen da sechs Prozent mehr Lohn und eine Flexibilisierung der Arbeitszeit im Raum. Hier soll es vor allem die Möglichkeit geben, 24 Monate mit einer 28-Stunde-Woche kürzer zu treten bei einem Lohnzuschuss von 750 Euro und dem Recht, danach wieder in Vollzeit zu arbeiten, erklärten die Redner.

Demgegenüber bieten die Arbeitgeber eine zweiprozentige Lohnerhöhung und eine Einmalzahlung in Höhe von 250 Euro. „Wir zeigen, dass die IG Metaller Zähne haben“, bekräftigte Petra Schubert, Betriebsrätin der Autovision, die wie andere metallverarbeitende Betriebe Solidarität beim Arbeitskampf zeigten.

„Wir sind keine Hasardeure. Wir wollen nur den gerechten Anteil, der uns zusteht. Diese sechs Prozent passen in die Landschaft“, sagte der zweite Bevollmächtigte der IG Metall, Lothar Ewald, und verwies zugleich auf die „steigende Anzahl der Arbeitnehmer mit Burn-Out“ im Schichtbetrieb. „Und dann sollen wir auch noch länger arbeiten?“

Ein zeitweises „Kürzertreten“ soll auch eine verbesserte Vereinbarung von Familie und Beruf, vor allem für die Frauen, bei der Kindererziehung oder der Pflege der Eltern dienen, fügte Inga Wolfram, Fachreferentin bei der IG Metall, hinzu.

Ewald verwies auf die Umsatzsteigerungen im letzten und der Prognose in diesem Jahr, die es gerade bei Conti-Teves gab. Die Arbeitgeber hätten dagegen „die Klagelieder in allen Strophen gesungen“. Dass bei einer Reduzierung der Wochenarbeitszeit die Fachkräfte fehlten, wie von Arbeitgeberseite angeführt, wollte Ewald so nicht stehen lassen. „Gerade dieses Unternehmen wollte die Ausbildung in Fremdfirmen auslagern. Pfui Teufel.“ Der Facharbeitermangel sei vor allem auf „die geringere Bereitschaft der Unternehmen“ zurückzuführen, weiter auszubilden, so verwies er auf die von 30 auf 15 gesunkene Zahl der Auszubildenden im Gifhorner Teves-Werk.

„Es geht um viel. Die Bude brummt“, rechtfertigte auch Conti-Betriebsrat Burkhard Häusler die Forderungen der Gewerkschaften. Die SPD-Abgeordneten in Bund und Land, Hubertus Heil, Philipp Raulfs und Tobias Heilmann, sprachen sich in einer Grußbotschaft für eine „Modernisierung und Flexibilisierung hin zu einer modernen Wirtschaft aus, zu der auch eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ gehöre.

Die nächsten Verhandlungen sind am 16. Januar. Sollte es da kein Ergebnis geben, wird es weitere Streiks geben, kündigten die Redner an. „Dann werden wir noch eine Schippe drauflegen“, sagte Ewald. „Wenn die Arbeitgeber weiter im Bremserhäuschen sitzen, gibt es Powerstreiks. Dann werden wir die Betriebe über 24 Stunden schließen. Wir sind kampfbereit.“

Insgesamt streikten gestern mehr als 75000 Metaller in 350 Betrieben in ganz Deutschland.

Von Burkhard Ohse

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