Landvolk im Landkreis Gifhorn empört sich über Hendricks’ Bauernregel-Kampagne

„Das geht einfach gar nicht“

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Die Landwirte fühlten sich durch die von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) verbreiteten „Bauernregeln“ beleidigt.

Landkreis Gifhorn. Die „Bauernregeln“ von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) haben in ganz Deutschland für Proteste von Landwirten gesorgt (das IK berichtete). Auch beim Landvolk-Kreisverband Gifhorn machen die Bauern ihrem Ärger Luft.

„Bei uns glühen die Telefone“, sagt Geschäftsführer Klaus-Dieter Böse. „Es haben schon Landwirte angeboten, sich an einer Sammelklage gegen diese Kampagne zu beteiligen. Die hätte vor Gericht keinerlei Chancen, aber daran kann man sehen, wie erhitzt die Gemüter sind.“

Die Landwirte fühlten sich durch die von Hendricks verbreiteten „Bauernregeln“ beleidigt. Und auch ihre Familien damit konfrontiert: So würden etwa Kinder in der Schule mit den Bauernregeln aufgezogen. „Das sind doch schon fast amerikanische Verhältnisse, das geht einfach gar nicht“, betont Böse. Er wünscht sich eine Rückkehr zu sachlichen Argumenten. „Die 1,6 Millionen Euro, die für diese Schmutzkampagne ausgegeben wurden, sind herausgeschmissenes Geld“, findet der Landvolk-Geschäftsführer. „Die hätte man deutlich besser investieren können.“ Gerade in Zeiten, wenn man schon mit dem Rücken zur Wand stehe, sei eine solche Beleidigung nur schwer hinzunehmen. „Das ist stumpfer Wahlkampf auf dem Rücken der Landwirte“, ärgert sich Böse.

So ist etwa der Wahrenholzer Landwirt Helmut Evers von der Kampagne alles andere als begeistert: „Es ist befremdlich, dass ein Ministerium eine Plakatierung in Auftrag gibt, um angeblich witzige Sprüche mit abfälligen Äußerungen über die Landwirtschaft zu verbreiten.“ Sicherlich gebe es auch in der Landwirtschaft Missstände und schwarze Schafe, über die geredet werden müsse. Die Ernsthaftigkeit der Thematik gebiete aber eine sachliche, offene Aussprache. „Aber auch wir können reimen“, so Evers. „Spott und Ironie dienen der Sachlichkeit eher nie. Und mit Millionen finanziert – geht das wirklich ungeniert?“

Die im Rahmen von Hendricks’ Kampagne „für eine naturverträgliche Landwirtschaft“ auf Plakaten in 70 deutschen Städten abgedruckten Reime wie „Zu viel Dünger auf dem Feld geht erst ins Wasser, dann ins Geld“ oder „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein“ haben bundesweit für harsche Kritik gesorgt. Hendricks hält jedoch an der Kampagne fest. Man sehe keinen Anlass, die Aktion mit Plakaten und im Netz zu beenden, sagte ein Sprecher ihres Ministeriums. Es gehe um „Fehler im System“. Niemand werde persönlich angegriffen und auch kein Berufsstand diffamiert. Kritik daran, dass für die Kampagne mit elf Reimen 1,6 Millionen Euro an Steuergeldern ausgegeben werde, hält das Ministerium für unberechtigt. „Das ist absolut angemessen“, sagte der Sprecher.

Von Dennis Klüting

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