Werden keine Maßnahmen ergriffen, stirbt der charakteristische Fisch im Kreis aus

Gefahren für den Aal

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Jürgen Wagner zeigt der Leiterin des Historischen Museums drei Jahre alte Jungaale.

Landkreis Gifhorn. Der Aal im Landkreis hat ein Problem. Kormorane, Wasserkraftanlagen und der Mensch machen ihm zu schaffen.

„Seit 2010 gibt es das Aalförderproramm in Niedersachsen“, erklärt Jürgen Wagner, Naturschutzbeauftragter des Landkreises Gifhorn, und von Anfang an haben sich die Angelsportler des ASV Gifhorn, die Interessengemeinschaft Ise und weitere Angelsportvereine daran beteiligt.

Die Organisationen haben jedes Jahr landkreisweit etwa 170 Kilogramm Farmaale in die Gewässer eingesetzt. „Pro Kilogramm sind das etwa 300 Farmaale“, erklärt Wagner. Koordiniert wird die Aktion vom Anglerverband Niedersachsen. In der Lüneburger Heide/Südniedersachsen kommt man somit auf rund 824 Kilogramm Farmaale pro Jahr. Dass diese Besatzmaßnahmen notwendig sind, werde immer erst dann deutlich, wenn man bei den Fangergebnissen der Aale, aber auch bei den Bestandserhebungen zu niedrigen Zahlen komme, führt Wagner aus.

Seit den 80er Jahren sind die Aalbestände europaweit um 95 Prozent eingebrochen. Denn obwohl der Aal seit 2009 auf der Cites-Liste des Washingtoner Artenschutzübereinkommens steht, ist der Glasaal, der Aal im Jungstadium, nach wie von vor allem bei Südeuropäern ein beliebter Speisefisch. Zudem werden immer wieder Schmuggler des organisierten Verbrechens aufgebracht, die hunderte Kilogramm Aale über Hongkong umschlagen. Hinzu kommt, gerade auch in Deutschland, fehlende Durchgängigkeit für die Fische, die zum Laichen abwandern müssen. „Das Glasaalaufkommen an den deutschen Küsten ist in den letzten drei Jahren fast bei Null. Auch die Zunahme der Kormoranbestände in Europa hat sich negativ auf den Aalbestand ausgewirkt.“

Wagner beziffert den „Komoranfraßdruck“ in Europa auf 4000 bis 6000 Tonnen jährlich. Noch höher ist die Mortalität des langen Fisches durch die Wasserkraftwerke. „Es ist an der Zeit, die Wasserkraftanlagen während der Laichwanderung des Aals abzuschalten“, fordert der Naturschutzbeauftragte. Zudem müsse es ein generelles Glasaalfangverbot und eine Ausdünnung der Kormorane in einigen Gebieten geben. Durch den Aalbesatz, der in diesem Jahr Anfang Juni erfolgte, können die Bestände nur schwer aufgefüllt werden. Aus dem Nordkreis sind der ASV Hankensbüttel, der ASV Knesebeck, der ASV Wittingen sowie der VfG Schönewörde und die NuAV Aller-Ohre-Drömling in Brome daran beteiligt.

Sollten allerdings in naher Zukunft nicht weitere Maßnahmen ergriffen werden, droht dem charakteristischen Fisch das Aus in der Region, warnt Wagner.

Von Burkhard Ohse

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