Gifhorn: Dehoga hat mit Bürokratie und Fachkräftemangel zu kämpfen

Gastgewerbe schlägt Alarm

Kreisgeschäftsführer Albert Harder (l.) und DEHOGA-Kreisvorsitzender Armin Schega-Emmerich weisen mit einem provokativen Plakat auf die Entbürokratisierung im Gastgewerbe hin.
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Kreisgeschäftsführer Albert Harder (l.) und DEHOGA-Kreisvorsitzender Armin Schega-Emmerich weisen mit einem provokativen Plakat auf die Entbürokratisierung im Gastgewerbe hin.

Gifhorn. Kneipensterben, Fachkräftemangel und die Arbeitserschwernisse durch zahlreiche gesetzliche Auflagen: der Dehoga-Kreisverband Gifhorn schlägt jetzt Alarm.

„Wir kämpfen hier praktisch gegen die Mühlen der Bürokratie“, erläutert Armin Schega-Emmerich, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbandes Gifhorn.

Anstatt sich um das Wohl ihrer Gäste zu kümmern, sitzen viele Gastronomen im Büro und kommen der Aufzeichnungspflicht nach. „Insgesamt 18 verschiedene Dokumentationspflichten müssen unsere Kollegen nachkommen und das stört den Betriebsablauf gewaltig“, erklärt Armin Schega-Emmerich, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbandes Gifhorn während eines Pressegesprächs.

Auch das Erstellen und Überwachen der Listen für die Zeitarbeitskonten erschwert die Arbeit. „Darüber hinaus muss natürlich auch das Arbeitszeitgesetz eingehalten werden und hier stehen die Arbeitgeber immer mit einem Bein im Gefängnis“, so der Dehoga-Vorsitzende. Denn die Arbeitnehmer dürften nicht länger als zehn Stunden am Stück arbeiten.

Am Beispiel einer Hochzeit machte Schega-Emmerich deutlich, dass das Soll in der Regel um 1 Uhr nachts erfüllt ist. Aber welcher Hochzeitsgast will schon gerne nach Hause geschickt werden, wenn die Stimmung gerade ihren Höhepunkt erreicht hat. Solche Feiern gehen in der Regel bis 4 Uhr morgens. Wie Kreisgeschäftsführer Albert Harder hinzufügt, möchten viele Arbeitnehmer lieber an drei Tagen 14 Stunden arbeiten und den Rest der Woche frei haben. Harder: „Die wöchentliche Gesamtarbeitszeit von 40 Stunden bleibt dabei bestehen, denn es geht uns nicht um die Verlängerung der Gesamtarbeitszeit.“ Hier könnte nach Meinung des Verbandes nur eine Änderung des Arbeitszeitgesetzes in Form von Ausnahmeregelungen greifen, um das Problem zu lösen.

„Unsere Bundespolitiker haben auf unsere Schreiben verständnisvoll reagiert, sehen sich aber nicht in der Lage, hier Abhilfe zu schaffen“, so Schega-Emmerich, der das Arbeitsministerium für die Misere verantwortlich macht.

Allerdings fehlt es den Gastronomen nach wie vor auch an Fachkräften, die den Rest der Woche zur Verfügung stehen. Der Fachkräftemangel und die Besetzung der Ausbildungsplätze in Hotellerie und Gastronomie sind derzeit ein ganz heißes Thema. „Die jungen Menschen sind teilweise nicht mehr bereit, die unangenehmen Arbeitszeiten an Wochenenden oder bis in die Nacht hinein anzunehmen.

„Obwohl schon 25 Prozent der Stellen im Gastgewerbe durch Ausländer besetzt werden, sehen wir auch eine Chance darin, in Zukunft Flüchtlinge aus anderen Ländern einzustellen“, so Albert Harder, der aber die Grundkenntnisse der deutschen Sprache voraussetzt.

Im Vordergrund steht für das Gastgewerbe aber immer noch der Bürokratieaufwand und der Regelwahn: Allergenkennzeichnung, Mindestlohn, Hygienebestimmungen und die Einhaltung aller Vorschriften nach dem Gaststättengesetz. Hinzu kommen die Auflagen und Kontrollen durch das Veterinäramt, der Lebensmittelüberwachung, des Zolls und der Gewerbeaufsicht, die die tägliche Arbeit der Gastronomen erschweren.

Daher finden gerade alteingesessene Betriebe kaum noch Nachfolger und müssen schließen. „Das Kneipensterben hat landauf landab längst eingesetzt. In einigen Orten des Landreises Gifhorn gibt es schon gar keine Gaststätten mehr. Ein Grund mehr, sich für das Gastgewerbe und für das Wohl der Gäste in der Region einzusetzen“, so die beiden Dehoga-Fachleute, die ihre Hilfe auch gern Nichtmitgliedern anbieten.

Von Siegfried Glasow

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