Früherer Verdi-Chef profitiert von Listenplatz

Für Grünen-Kandidat Frank Bsirske geht’s in den Bundestag

Frank Bsirske (Grüne) beim Bundesparteitag.
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Für Frank Bsirske (Grüne) geht es nach Berlin: Für den Kandidaten aus dem Wahlkreis 51 Helmstedt-Wolfsburg bedeutete sein guter Listenplatz 6 den Einzug in den Bundestag.
  • Paul Gerlach
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Landkreis Gifhorn – Den Einzug in den Berliner Bundestag sicherten sich aus den hiesigen beiden Wahlkreisen Hubertus Heil und Falko Mohrs (beide SPD) als Wahlsieger direkt. Über die Landesliste gelangte außerdem Frank Bsirske (Grüne) an ein Ticket nach Berlin. Viele der weiteren Kandidaten verpassten den Sprung ins Kabinett deutlich, in einem Fall war es hingegen haarscharf.

Ingrid Pahlmann (CDU), die im Wahlkreis 45 Gifhorn-Peine klar ihrem Mitbewerber Hubertus Heil (SPD) unterlag (das IK berichtete), findet sich in einer ihr nur allzu bekannten Situation wieder. Zur Erinnerung: Als Nachrückerin übernahm Pahlmann 2019 das freigewordene Mandat im Bundestag, als Ursula von der Leyen zur Präsidentin der EU-Kommission gewählt wurde und damit aus der Bundesregierung ausschied. Kurios: Pahlmann auf Listenplatz 12 ist nun wieder erste Nachrückerin, ihr Ergebnis hat erneut knapp nicht für den Einzug gereicht.

„Das ist unbefriedigend und macht keine Freude“, sagt die Wilscherin. Sie hätte sich das anders gewünscht, akzeptiere aber das Abstimmungsergebnis. Der Wähler habe so entschieden. „Ich kenne das. So etwas findet keiner schön, da gibt es kein Vertun.“ Aber in der Politik gehe es um Mehrheiten und es gebe Spielregeln, an die man sich zu halten habe. Die CDU-Politikerin will weiterhin vor Ort kommunalpolitisch aktiv sein, die Anbindung zwischen Bundes- und Lokalpolitik sei wichtig.

Bsirske, zwei Jahrzehnte Chef der Gewerkschaft Verdi, schaffte es für die Grünen im Wahlkreis 51 Helmstedt-Wolfsburg in den Bundestag. Dazu verhalf ihm sein Listenplatz 6. Gemeinsam mit Mohrs sitzen damit nun zwei Wolfsburger Abgeordnete in Berlin. Für Mohrs ist es dort schon die zweite Legislaturperiode.

Andreas Weber (CDU) aus dem Wahlkreis 51 konnte sich – über beide Wahlkreise gesehen – zwar über das prozentual drittbeste Ergebnis (hinter Heil und Mohrs sowie vor Pahlmann) und insgesamt 34 367 Stimmen (Pahlmann sicherte sich 40 279) freuen. Doch auf der Landesliste stand er mit Platz 19 deutlich hinter Pahlmann. Mit Berlin wird es also realistischerweise nichts für ihn. „Das ist aussichtslos“, ist ihm bewusst. Sein Ergebnis habe er „gefasst“ aufgenommen, sein Team und er hätten alles in den Wahlkampf hineingelegt. „Wir sind überhaupt nicht enttäuscht. Man kommt gegen den Bundestrend nicht an.“ Das enttäuschende Abschneiden der Union auf Bundesebene müsse aufgearbeitet werden, daran wolle er sich beteiligen. Er werde als Kommunalpolitiker weitermachen und sich einbringen.

Andreas Mantzke von den Linken macht sich keine Illusionen, dass sein Listenplatz 7 noch reichen könnte. „Ich bin weit vom Einzug entfernt. Das ist aussichtslos.“ Die niedersächsischen Linken haben nämlich lediglich drei Plätze im Bundestag ergattert. Bernd Hermann Mex aus dem Wahlkreis 51 ist nicht unter ihnen.

Bei der FDP fahren acht Niedersachsen nach Berlin. Damit Kandidat Thomas Schellhorn aus dem Wahlkreis 45 ein Mandat erhält, müssten 17 Liberale, die auf der Liste vor ihm stehen, verzichten. „Das ist unrealistisch“, sagt Kreisvorsitzender Holger Flöge. „Demzufolge wird Herr Schellhorn kein Mandat erlangen.“ Aus demselben Grund wird es auch für Kristin Krumm (FDP) aus dem Wahlkreis 51 auf Listenplatz 17 nicht in die Bundeshauptstadt gehen.

Das erhoffte Ticket nach Berlin verpasste auch Henrik Werner (Grüne) im Wahlkreis 45: Von seiner Partei ziehen die Plätze 1 bis 13 von der Liste in den Bundestag ein, er selbst steht auf Platz 18. „Daher sehe ich bei dieser Wahl keine Chance mehr auf den Einzug in den Bundestag.“ Er freue sich trotzdem über den starken Stimmenzuwachs und die 15 761 Menschen, die ihm ihr Vertrauen geschenkt haben. „Wir konnten unsere Ergebnisse bei den Erst- und Zweitstimmen im Vergleich zu 2017 in meinem Wahlkreis fast verdoppeln.“

Den Einzug verpasste auch Stefan Marzischewski-Drewes (AfD) aus dem Wahlkreis 45 auf Listenplatz 9. Die niedersächsische AfD ergatterte sechs Plätze im Bundestag. Unter dieses sechs findet sich auch Stephanie Scharfenberg (AfD) nicht wieder, die im Wahlkreis 51 angetreten war. Auch für sie geht es also nicht ins Kabinett.

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