NABU kritisiert: Immer mehr ausgesetzte Exoten

Führerschein für Tierhalter?

Immer mehr exotische Tiere werden ausgesetzt, weil ihre Halter sie nicht mehr haben wollen: Joachim Neumann und Bärbel Rogoschik zeigen einen Teppichpython, der von Pilzsammlern im Wald gefunden wurde.
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Immer mehr exotische Tiere werden ausgesetzt, weil ihre Halter sie nicht mehr haben wollen: Joachim Neumann und Bärbel Rogoschik zeigen einen Teppichpython, der von Pilzsammlern im Wald gefunden wurde.

Leiferde – Auf diesen Rekord hätte Bärbel Rogoschik gern verzichtet. Mit mehr als 3.000 Tieren wurden im letzten Jahr so viele Tiere im Nabu-Artenschutzzentrum aufgenommen wie noch nie, mehr als 600 mehr als im Vorjahr, berichtete sie bei der Bilanz für 2018.

Noch lange nicht ausgewachsen: ein Steppenwaran in der Hand von Bärbel Rogoschik. 

„Das lag zum einen an dem heißen Sommer, der vielen Tieren zu schaffen machte, weil sie unter anderem wenig Nahrung fanden“, erläuterte Rogoschik. „Viele Vögel gaben deshalb die Brut auf.“ Denn der massive Insektenschwund nehme vielen Vögeln die Nahrungsquelle, Jungvögel sind auf tierisches Protein angewiesen. Und die Mücken sind im letzten Jahr regional total ausgefallen.

Zum anderen werden immer wieder auch Tiere in Privathaushalten oder ausgesetzt in der Natur gefunden, deren Besitzer sich aus dem Staub gemacht haben, im Urlaub sind, oder die gleich etliche Tiere nicht artgerecht halten. „Das Animal Hoarding greift um sich“, stellte Rogoschik fest.

Unrühmlicher Höhepunkt war eine Wohnung in Gifhorn, in der mehr als 400 Tiere aller Gattungen mehr oder weniger lebten. Die folgenden Strafanzeigen und Berichte an Staatsanwaltschaft und Veterinäramt machten zusätzliche Arbeit.

Auch Schwalben und Mauersegler sprangen aufgrund der großen Hitze aus den Nestern und wurden zum Artenschutzzentrum gebracht. „Und ein Jungvogel muss 48 mal am Tag gefüttert werden“, gab Rogoschik zu bedenken. Die 13 Mitarbeiter inklusive Praktikanten und Auszubildende zum Tierpfleger hatten somit rund um die Uhr zu tun.

Gut fiel dagegen die Storchenbilanz aus, auch Graureiher profitierten von den durch die Hitze kleiner werdenden Teichen und der damit verbundenen Konzentration der Fische. „In diesem Jahr wird es dafür weniger Fische geben“, prognostizierte Rogoschik.

Viele vor allem exotische Tiere werden immer wieder auch von ihren Besitzern in die „sogenannte Freiheit“ entlassen, weil sie stören, zu groß werden oder nicht mehr gewollt sind, kritisierte Rogoschik. Das bedeute dann oft den sicheren Tod für die Tiere. „Viele wissen nicht, dass die einst gekaufte Schildkröte auch eben mal 100 Jahre alt und der niedliche Brillenkaiman bis zu zwei Meter groß werden kann“, so Regoschik. Manchmal helfe nur noch ein Einschläfern der Tiere.

Sie sprach sich für den Erwerb eines Halterführerscheins aus. Mitarbeiter Joachim Neumann plädierte zusätzlich für Besitzerregister oder Meldesysteme für Exoten schon beim Verkauf. Damit würde auch dem Internethandel ein kleiner Riegel vorgeschoben werden. „Ein Reptil ist günstig in der Abschaffung, aber teuer im Unterhalt, und es kann nicht schreien“, gab Rogoschik zu bedenken.

Auch die Vogelspinnen im Artenschutzzentrum brauchen die richtige Luftfeuchtigkeit, frisches Wasser und tägliche Reinigung des Habitats. Das exotischste Tier im letzten Jahr war allerdings ein Fischotter. Aber auch der musste wegen Krankheiten eingeschläfert werden.

VON BURKHARD OHSE

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