Kulturgut und Menschengut

Von Frieden bis Flucht: 200 Ostermarschierer in Gifhorn

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Die Ostermarschierer in Gifhorn nahmen sich einer Reihe von Themen an, darunter auch die Flüchtlingspolitik und der Export von deutschen Waffen.

Gifhorn – Mehr als 200 Mitmarschierer – da waren die Sprecher des Gifhorner Bündnisses „Bunt statt Braun“ am Samstag zufrieden. Mancher hatte nur mit 100 Teilnehmern gerechnet, als sich die Ostermarschierer vom Schillerplatz zum Mehrgenerationenhaus aufmachten.

Martin Wrasmann von der katholischen Kirche gehörte zu den Rednern.

Nach einem musikalischen Beitrag von Zlatko Baban sprach zunächst Pastoralreferent Martin Wrasmann. Der katholische Geistliche hob hervor, dass „so viele Organisationen sich der Kundgebung angeschlossen“ hätten, von der IG Metall über die Kirchen bis hin zu privaten Initiativen und Flüchtlingshilfen. Dementsprechend weit waren die Themen gestreut: Klimakrise, Flüchtlingsfrage, Abrüstung, Kampf gegen Rechtsextremismus, Frieden.

Auch die Fridays for Future-Bewegung habe man einbezogen, sagte Wrasmann. „Wir setzen ein Zeichen für den Frieden im Kleinen, für den sozialen Frieden“, fuhr er fort und wurde auch konkret zur Situation eines Geflüchteten in der Stadt. Zudem forderte er Gelder für „Menschengut“, nicht nur für Kulturgüter. „900 Millionen Mitleidseuro stehen 1,6 Millionen Euro für die Seenotrettung von Geflüchteten gegenüber“, kritisierte er. Nicht die EU-Grenzen seien durch Flüchtlinge gefährdet, es würden vielmehr die Grenzen des Anstandes und der Menschlichkeit verletzt.

Einen kurzen Halt gab es auf der Höhe der Volksbank. Dort forderte die Gifhorner Superintendentin Sylvia Pfannschmidt, die Grenzen für Waffen zu schließen und für Menschen zu öffnen. „Grenzen sind ein sensibles Thema. Vor 30 Jahren fiel die Mauer, die bis dahin eine undurchdringliche Grenze war. Nun sind die EU-Außengrenzen undurchdringlich, auf dem Landweg ist Europa nicht mehr zu erreichen“, sagte sie. „Wir können nicht alle aufnehmen, aber als ehemalige Kolonialmächte haben wir eine Verantwortung.“ Dazu erwähnte sie auch den russischen Präsidenten Putin, der neue Waffen ankündige. Gegenüber dem milliardenschweren Rüstungsetat Deutschlands stehe ein Entwicklungshilfeetat von 9,7 Millionen Euro. Die Klimakrise, die die Flüchtlingskrise zur Folge habe, verpflichte die Europäer, mehr Geld in die Entwicklung zu investieren.

VON BURKHARD OHSE

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