„Politik-Speed-Dating“ in BBS I Gifhorn: Schüler diskutieren mit Landtagskandidaten

Fragen auch nach Sterbehilfe

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Der SPD-Landtagsabgeordnete Detlef Tanke stellte sich gestern den Fragen der BBS I-Schüler. Dabei äußerte er sich kritisch über die Massentierhaltung.

Landkreis Gifhorn. Damit hatte gestern keiner der Landtagskandidaten beim „Politik-Speed-Dating“ in Gifhorn gerechnet.

Auch die Sterbehilfe interessierte die Schüler der Berufsbildenden Schulen (BBS) I, die auf dem Weg zum Abitur, bei der Ausbildung zur Steuerfachgehilfin oder zum Landwirt sind. In sechs Runden von je sieben Minuten nahmen die jungen Leute die Politiker in der Schulcafeteria „in die Mangel“.

Aus dem Wahlkreis Gifhorn-Nord/Wolfsburg kamen Ingrid Klopp (CDU), Friedrich Lührs (FDP) und Andreas Kautzsch (Freie Wähler), aus dem Wahlkreis Gifhorn-Süd Detlef Tanke (SPD) und Harald Heuke (Linke). Als Vertreter für den erkrankten Nordkreis-Kandidaten Markus Warnecke (Grüne) nahm Uwe Schiller, Geschäftsführer der Grünen-Kreistags-Fraktion, teil.

Die Landwirte unter den Schülern fragten nach Massentierhaltung, den Steuerfachgehilfen lagen dafür Steuerprüfungen näher. Und es gab auch Lösungsvorschläge: Mehr Steuereinnahmen durch Prüfungen könnten doch gleich für den ÖPNV verwendet werden, schlug man den Kandidaten vor. Dass beim ÖPNV etwas getan werden muss, gab jeder Politiker zu. Als „nicht tragbar“ bezeichnete Andreas Kautzsch, dass man mit dem Bus zwei Stunden von Steinhorst zur BBS I unterwegs sei.

Uwe Schiller gab zu bedenken, dass die Finanzierung schwierig sei. „Beim Busfahren muss man genau hinschauen“, favorisierte er eher den Ausbau der Eisenbahnstrecke Wittingen-Gifhorn. Friedrich Lührs gab als Parteiziel aus, dass die FDP wieder einzieht. Zudem setzte er auf die für 2014 geplante Regiobahn. Ingrid Klopp hatte die Themen Landkreis-Förderung und Bildung als Schwerpunkte. „Als dreifache Mutter und mit sieben Enkeln bin ich bei allen Fragen von Kinderunterbringung und -versorgung mit dabei“, sagte sie.

Detlef Tanke, der für die SPD mit Nordkreis-Kandidat Klaus Schneck getauscht hatte, sah die Massentierhaltung kritisch. „Da gibt es Irrwege“, präferierte er eine nachhaltige Landwirtschaft. „Überwiegend interessante“ Fragen erhielt Harald Heuke, erklärte er in der Schlussbefragung durch Moderator Erik Weckel, der mit Glockengebimmel die Rundenwechsel angekündigt hatte.

Nicht bei allen Schülern wurde die Begeisterung für die Politik geweckt. Eine junge Frau bekannte, nicht zu Wahl gehen zu wollen. An Politik interessiere sie nichts, erklärte sie. „Sonst im Leben“ sind für sie immerhin Tiere interessant, konnte Tanke aus ihr herauskitzeln.

„Wir bekamen von allen Seiten die Empfehlung, das noch einmal zu veranstalten“, erklärte Ulf Neumann von der KVHS, die das „Speed-Dating“ organisiert hatte. Das Format sei „toll und aktiv“ gewesen. Nicht nur die Persönlichkeit, sondern auch politische Haltung, Parteipolitik und Schwerpunkte sein gut herausgekommen, sagte Neumann. Überlegt werde deshalb, derartige Veranstaltungen nicht nur vor der Bundestagswahl, sondern auch innerhalb von Wahlperioden abzuhalten und auch dafür auch Kommunalpolitiker zu gewinnen.

Von Burkhard Ohse

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