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Flipper-Meisterschaft in Gifhorn: Szene-Cracks daddeln an 150 Automaten

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Von: Burkhard Ohse

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Ein Flipper-Spieler zockt bei German Open in Gifhorn an einem Automaten
Der einzige Flipper, bei dem es Geld kostete: Die ukrainische Fahne zeigt, wohin die Einnahmen gingen. © Freier Mitarbeiter

Gifhorn – Drei Tage lang war Gifhorn am vergangenen Wochenende für Flipperfans und -spieler der Nabel der Welt. Die größte Spielhalle der Region war die mit 150 Geräten bestückte Stadthalle, in der auch der Sieger der German Open ermittelt wurde: Es wurde mit Robert Sutter ein Schweizer.

Ein hoher Lärmpegel beherrschte die Halle, denn jedes Gerät gab eigene Töne von sich. So manch Spieler fluchte, wenn die polierte Kugel verschwand, ansonsten blieb es aber friedlich. Doch nicht nur für die Turnierspieler, auch für leidenschaftliche Pinball-Fans und interessierte Laien waren die drei Tage ein Spektakel, das zudem ins Internet gestreamt wurde. Der typische Vertreter der Sportart ist männlich, 30 bis 60 Jahre alt und steht in leicht gebückter Haltung, links und recht an den vorderen Ecken des Flippers abgestützt. Er hat die Stahlkugeln im Gerät fest im Blick und kann über mindestens ein Gerät aus seiner Jugendzeit eine Menge erzählen. Zwar hat nicht jeder 60 Flipperautomaten bei sich zu Hause stehen wie Vizeweltmeister Andreas Harre aus Burgdorf, aber auf 20 kommt Helmar Oels schon.

Spielerinnen waren zwar auch zugegen, aber deutlich in der Minderheit – wenn es auch einige weibliche, in der Szene bekannte Cracks gab. Während die Laien in erster Linie darauf achteten, die Kugel nicht zu verlieren, wussten die etablierten Spieler, dass es bei den modernen Geräten darum geht, Aufgaben zu erfüllen, die auf dem Display angezeigt werden. Der Blick galt also nicht nur der Kugel auf der Schräge, sondern immer auch dem Display. Reaktion und Schnelligkeit sind wichtig – und dazu den Überblick behalten, erklärte Oels. Was bei den älteren Geräten Punkte gab, stand mehr oder weniger deutlich vorne am Gerät. Die meisten Gäste konnten Erlebnisse mit einem Gerät aus ihrer Jugend erzählen. Denn früher stand in jeder Kneipe ein Flipper. Auch in den Spielhallen waren sie vertreten, um das Angebot neben den einarmigen Banditen und den Geldautomaten zu vergrößern. Nach einer Gesetzesänderung wurden sie zumeist entfernt.

„Das war die Zeit, in der man solche Geräte für einen Schnäppchenpreis erwerben konnte“, sagte Oels. Heute dagegen kann man bis zu 20 000 Euro für ein modernes, neues Spitzengerät zahlen – wenn man es überhaupt bekommt. Der aktuelle Chipmangel führt zu Engpässen. „20 000 Euro, das ist ein Auto“, sagte Oels.

Beim Turnier – bei dem 64 Spitzenspieler gesetzt wurden, 64 weitere konnte sich zuvor qualifizieren – wurden je vier Spieler einem Gerät zugelost. Die zwei Besten, was die Punkte angeht, kamen eine Runde weiter. Es war daher auch ein wenig Glück dabei, ob ein Spieler an das Gerät zugelost wurde, das ihm liegt, erklärte Oels. Die Entwicklung der Flippergeräte war an diesem Wochenende genau nachzuvollziehen. Das wohl älteste Gerät aus dem Jahr 1961 war noch sehr einfach aufgebaut: Allein die Art der Anzeige der Punkte zeigte, dass es ein Veteran war. Moderne Geräte laufen vollständig elektronisch, bei manchen flitzt die Kugel sogar über ein Display, das ständig andere Bilder zeigt. Auch Begriffe änderten sich. Was früher „Freispiel“ hieß, heißt heute „Kugelbonus“.

Außer den German Open wurde auch ein Klassik-Turnier veranstaltet. Die Startgebühr von vier Euro Spiele kam zur Hälfte der Ukraine-Hilfe zugute, sagte Steffen Grubert, einer der drei Organisatoren. Er selbst spielt sonst in der Hannover-Liga um Punkte. Gespielt wird in der Liga in erster Linie bei den Spielern selber, die einige Geräte haben. Für die jetzige Flippermeisterschaft wurden viele Privatgeräte zusammengetragen.

Ukraine-Hilfe profitiert

Andere Räumlichkeiten als die Stadthalle stehen für solch ein Event auch kaum zur Verfügung. Denn die Stromversorgung ist ein Problem. 150 Geräte, jedes etwa 400 Watt – da kann man sich ausrechnen, was benötigt wird, sagte Grubert.

Ein Glückspilz konnte am Sonntag ein neues Gerät sein eigen nennen. Das war bei der Tombola verlost worden. Der einzige Flipper, in den man an diesem Wochenende einen Euro werfen musste, um zu spielen, war ebenfalls für die Ukraine-Hilfe aufgestellt worden. Die Hoteliers durften sich ebenfalls freuen: Manche Gäste mussten 20 Kilometer vom Hotelzimmer zur Stadthalle fahren, weil vieles ausgebucht war.

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