Auf Pestizide im Garten sollte verzichtet werden / Quartiere können leicht selbst gebaut werden

Fledermäuse brauchen Hilfe

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Die Zeiten sind für die Jäger der Nacht schwer geworden. Von den 25 in Deutschland vorkommenden Arten sind vier vom Aussterben bedroht.

Landkreis Gifhorn. Die ersten warmen Tage und Nächte des Jahres haben die Fledermäuse aus dem Winterschlaf geweckt. Die Flugkünstler ziehen derzeit von ihren Winter- in die Sommerquartiere um. Doch die Zeiten sind für die Jäger der Nacht schwer geworden.

Von den 25 in Deutschland vorkommenden Arten sind vier vom Aussterben bedroht. Drei Arten gelten als stark gefährdet, weitere fünf sind als gefährdet eingestuft.

Durch die Intensivierung der Landwirtschaft ist die Vielfalt der bäuerlichen Kulturlandschaften verloren gegangen. Das beeinflusst das Nahrungsangebot für die Fledermaus. „Die negativen Auswirkungen auf das Angebot an Beutetieren wie Nachtfalter, Fluginsekten oder Käfer sind erheblich“, erklärt Ralf Berkhan, NABU-Projektleiter „Fledermausbotschafter“.

Auch der Einsatz von Pestiziden in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Privaten mache den Tieren zu schaffen. Martin Heeschen vom Naturschutz Bromer Land rät, im heimischen Garten auf schädliche Pflanzenschutzmittel zu verzichten. Auch von Insektenvernichtungsmitteln sollte man die Finger lassen: „Fledermäuse finden bereits jetzt viel zu wenig Nahrung“, so Heeschen.

Quartiere werden unbewusst zerstört

Die Giftablagerungen erreichen im nur wenige Gramm schweren Tierkörper tödliche Konzentrationen oder werden über die Muttermilch an die Jungen weiter gereicht.

Zudem werden viele Quartiere unbewusst zerstört. Höhlenreiches Altholz wird aus dem Wald entfernt. Dachböden werden renoviert und mit Holzschutzmitteln behandelt, Hohlräume ausgeschäumt und Fugen versiegelt.

„Viele Menschen wissen inzwischen, dass bei uns einige Fledermausarten an Gebäuden leben. Weit verbreitet ist dabei der Irrglaube, dass es sich hierbei ausschließlich um alte Gebäude handelt. Tatsächlich machen vor allem spaltenbewohnende Fledermäuse, wie die Zwergfledermaus, keinen Unterschied zwischen alten und neuen Gebäuden“, betonte Berkhan. Wichtig sei nur, dass sie einen passenden Spalt finden, der ihnen genug Platz lasse und auch die passenden klimatischen Bedingungen für die Jungenaufzucht biete. Im Sommer wollen Fledermäuse einem warmen und trockenen Unterschlupf. Solche Bedingungen können ebenso hinter einer Holzverschalung an einem alten Bauernhaus herrschen wie an einem Plattenbau in der Großstadt.

Fledermauskästen selbst bauen

Ein Fledermauskasten im Wald dient als Unterschlupf.

Jeder kann mit geringem Einsatz zum Schutz der Fledermäuse beitragen. Die Bereitstellung eines Fledermauskastens als Quartier hat sich bewährt. Es gibt sie für Spalten- oder Höhlenbewohner. Man kann sie selbst bauen oder im Fachhandel kaufen. „Wichtig ist, dass die Rückwand der flachen Kästen angeraut ist, damit die Fledermäuse klettern und sich festhalten können“, erklärt Heeschen. Dafür eignet sich Kükendraht, der auch oben am Deckel angebracht werden sollte.

Die Fledermauskästen können im eigenen Garten aufgehängt werden. „Auch im Wald sind sie eine große Hilfe, aber man sollte vorher den Besitzer fragen“, sagt Heeschen.

Wenn die Ziegel auf dem eigenen Dach erneuert werden, können Hausbesitzer eine spezielle Variante verwenden, die innen hohl ist. Sie dient den Fledermäusen als idealer Unterschlupf.

Blumen und Gartenteiche helfen

Außerdem kann jeder einen Beitrag dafür leisten, dass es wieder mehr Insekten und somit mehr Nahrung für die Nachtjäger gibt. „Wenn jemand im Garten ein Stück Rasenfläche hat, dass er nicht benötigt, sind Blumenbeete eine gute Sache“, erklärt Heeschen. Dabei sollte man auf heimische Pflanzen setzen. Mischungen für eine vielfältige Blumenwiese sind für wenige Euro zu bekommen. Auch Gartenteiche seien laut Heeschen eine gute Möglichkeit, Insekten anzulocken und damit den Fledermäusen nachhaltig zu helfen.

Der NABU Niedersachsen hat ein Paket mit Broschüren „Fledermausschutz an Gebäuden“ und „Fledermäuse – Flugkünstler der Nacht“, zusammengestellt. Es kann beim NABU Niedersachsen, Stichwort „Fledermausschutz“, Alleestr. 36, 30167 Hannover, angefordert werden (acht Briefmarken à 70 Cent müssen beigelegt werden).

Von Sandra Hackenberg

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