„Mehr Frauen in die Parlamente“

Femmage in Schweimke feiert 100 Jahre Frauenwahlrecht

Kulturvereinsvorsitzende Susanne Jäger und Christine Gehrmann führten in den Abend ein. 
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Kulturvereinsvorsitzende Susanne Jäger und Christine Gehrmann führten in den Abend ein. 

Schweimke – Exakt 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts hatte der Kulturverein am Samstag Brockmanns Saal in Schweimke gebucht, um das Ereignis von 1919 gebührend zu begehen.

Zur Feier des Tages oder des Jahrhunderts gab es daher „Mehr Stolz, ihr Frauen!“, eine Femmage an Hedwig Dohm.

Feminist Gerd Buurmann – man beachte die Schuhe.

Denn „der Stolz ist uns abhandengekommen“, stellte die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Christine Gehrmann, fest. Mit der Historikerin Nikola Müller, der Literaturwissenschaftlerin Dr. Isabel Rohner und dem Schauspieler Gerd Buurmann (der als Kalfaktor in schwarzem Anzug und roten Stöckelschuhen Publikationen zum Thema Hedwig Dohm präsentierte und die männlichen Protagonisten darstellte, die sich früher gegen die Forderung nach Frauenrechten stemmten) standen dann insgesamt drei Feministen auf der Bühne.

Naturgemäß gab es im nicht nur weiblichen Publikum Entrüstung ob der Aussagen des Philosophen Friedrich Nietzsche oder des Psychoanalytikers Georg Groddeck, die das „asiatische Frauenbild“ lobten und den Frauen die Persönlichkeit absprachen, weswegen sie auch nicht „zum Schaffen“ geeignet wären. Dohm arbeitete sich damals an den beiden ab und forderte bereits 1873 die völlige Gleichstellung der Frauen im sozialen, politischen und ökonomischen Bereich.

Das hatte bis dahin keine der damaligen Revolutionen gefordert, die somit die Hälfte der Menschheit bei der Forderung nach Menschenrechten ausgeschlossen hatten, wie Rohner und Müller feststellten. „Sogar die Krüppel und die Brutalen dürfen wählen, während Frauen, die schreiben können, das nicht dürfen“, beklagte Dohm damals.

Die Historikerin Nikola Müller schrieb einst ihre „Magistraarbeit“ über Feminismus-Ikone Hedwig Dohm.

Indes, die Gleichberechtigung sei auch heute noch nicht erreicht, erklärten Rohner und Müller. „Mehr Frauen in die Parlamente“, forderten beide. Es sei „eine Schande für die Demokratie“, dass im Bundestag lediglich 30 Prozent der Abgeordneten Frauen seien. Die Parlamente sollten die Gesellschaft abbilden. Als Vorschlag kam an diesem Schweimker Abend, die Wahllisten paritätisch zu besetzen, die Direktmandate gerechter zu verteilen und die Wahlkreise zu vergrößern, damit jeweils ein Mann und eine Frau gewählt werden können.

In der Pause gab es, zu Ehren der Berlinerin Dohm, übrigens Berliner zu essen, dazu Cocktails mit echt Berliner Luft.

VON BURKHARD OHSE

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