„Es fehlt ein klarer Auftrag“

Der Kreiselternrat um die Vorsitzende Yvonne Reinecke (r.) tagte im Kaminsaal des Gifhorner Schloss. Foto: Ohse

Gifhorn. Enttäuscht zeigte sich der Kreiselternrat (KER) am Donnerstagabend im Kaminsaal des Gifhorner Schlosses von der Abwesenheit von Politikern der Mehrheitsfraktion des Kreistags. Die SPD hatte Ines Kielhorn, die Grünen hatten Fredegar Henze zur Sitzung geschickt. „Die Abwesenheit von CDU und FDP bedauern wir auch, denn so kommt keine konstruktive Diskussion in Gang. Es geht nicht weiter“, sagte Kielhorn.

„Wir haben es geschafft, die Datenbasis landkreisweit einheitlich zu gestalten“, berichtete Karsten Kreutzberg, Fachbereichsleiter für Schulen. Man sei ständig in Kontakt zu allen Schulleitern, durch das neu erarbeitete System der Standortanalyse mit 50 Kriterien sei es möglich, die verschiedenen Standorte zu vergleichen und zu bewerten. „Wir wissen dann, ob ein Standort funktioniert oder nicht“, sagte Kreutzberg.

Nach dem Startschuss der IGS müsse man jetzt loslegen, vor allem das Thema Inklusion werde die Verwaltung weiter beschäftigten. In dem Zusammenhang begrüßte Kreutzberg die vom Behindertenbeirat initiierte Fachtagung im Herbst zu dem Thema.

„Das Problem Inklusion beginnt im Kopf“, meinte die KER-Vorsitzende Ivonne Reinecke – wobei der Elternwille auch künftig über den Bestand der Förderschulen entscheide.

Auf die Kreistagssitzung am Tag zuvor gingen Kielhorn und Henze ein. „Es fehlt bezüglich der IGS ein klarer Auftrag an die Verwaltung“, kritisierte Kielhorn. Auch Henze forderte eine politische Entscheidung. „Landrätin Marion Lau sagte, der Elternwille wird berücksichtigt. Das bedeutet wohl, dass das Thema IGS so dabei ist.“

Nach einer Elternbefragung ist die IGS eine favorisierte Schulform. Die Rücklaufquote der Fragebögen betrug mehr als 62 Prozent. 1792 Eltern von Drittklässlern im Landkreis wurden angeschrieben und zu ihren Wünschen befragt, von den 1112 Rückläufern sprachen sich mit 728 mehr als 65 Prozent für eine IGS aus, weniger als 34 Prozent waren dagegen (das IK berichtete).

Bei der Standortfrage bevorzugten 254 Eltern Gifhorn, 179 sprachen sich für den Südkreis aus, 153 für die Gemeinde Sassenburg und 142 für den Nordkreis. Von den 340 Antworten aus dem Nordkreis waren 198 für eine IGS, davon 130 Eltern für einen Standort im Norden. 22 Wesendorfer konnten sich noch für die Stadt Gifhorn erwärmen, 16 Bromer Eltern hielten dagegen die Sassenburg für geeignet. „Die derzeitige IGS ist für den Nordkreis zu weit weg, eine zweite kommt wohl nach Gifhorn oder in den Südkreis. Damit wird der Nordkreis abgehängt“, kritisierte Christian Hinze-Riechers.

Die IGS als Konkurrenz zu den Gymnasien will Henze. „Es wird sich zeigen, welche Schule sich dann durchsetzt. Es darf keine Bestandsgarantie für die Gymnasien geben“, meinte er. Eine IGS in Wittingen etwa werde zwangsläufig Schüler aus dem Hankensbütteler Gymnasium abziehen. Einfacher wäre es, wenn nicht eine Fünfzügigkeit für die IGS gefordert würde. Kleinere Schulen ließen sich eher etablieren. Politiker anderer Parteien haben stets betont, dass das Gymnasium nicht gefährdet werden dürfe.

Von Burkhard Ohse

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