Landkreis reagiert: Bis zu 25.000 Euro Strafe drohen

Fatale Corona-Auswirkungen im Kreis Gifhorn: 450 Neuinfektionen in fünf Tagen 

Wo sonst der Krisenstab tagt, stellte der Landkreis sein neues Maßnahmenpaket vor.
+
Wo sonst der Krisenstab tagt, stellte der Landkreis sein neues Maßnahmenpaket vor.

Landkreis Gifhorn – Nächtliche Ausgangssperre, noch striktere Kontaktbeschränkungen, ganz genaues Hinsehen bei den Altenheimen, deutlich mehr Impfungen – mit einem Maßnahmenbündel will der Landkreis Gifhorn den hohen Corona-Zahlen im Kreisgebiet beikommen und auf die 450 Neuinfektionen der letzten fünf Tage reagieren.

Ein 15-Kilometer-Radius zur Bewegungseinschränkung gehört nicht dazu. .

„Wir halten das Kontaktverbot für wesentlich wirkungsvoller“, erläuterte Landrat Dr. Andreas Ebel Montagnachmittag in der Gifhorner FTZ. Zudem seien Kontakt- und Ausgangssperre besser von der Polizei zu kontrollieren. Der Leiter der Polizeiinspektion, Thomas Bodendiek, sagte, dass seine Leute genau das auch tun werden – „mit dem nötigen Augenmaß, aber auch mit der nötigen Bestimmtheit“. Dafür wie auch für die Task Force für die Seniorenheime werde er zusätzliches Personal zur Verfügung stellen.

Strafe: Bis zu 25.000 Euro

Wer gegen Corona-Auflagen wie die nächtliche Ausgangssperre oder das Verbot von Kontakten außerhalb des eigenen Haushalts verstößt, muss mit einer Anzeige wegen Ordnungswidrigkeit rechnen, wenn er erwischt wird. Im Extremfall kann das bis zu 25.000 Euro kosten.

Landrat Dr. Andreas Ebel bei der Verkündung der verschärften Corona-Auflagen.

Zu der Kontaktsperre hieß es: Details werden erarbeitet, Ausnahmen geprüft. Ebel sagte, man stimme sich eng mit dem Land Niedersachsen und dem Niedersächsischen Landkreistag ab.

Der Erste Kreisrat Dr. Thomas Walter skizzierte die Ausnahmen, die es für die Ausgangssperre geben soll: Wer nach 20 Uhr nicht zu Hause ist, muss demnach triftige berufliche Gründe haben oder ein medizinisches bzw. tierärztliches Anliegen. Zugelassen sind freilich auch die Unterstützung Hilfsbedürftiger, die Begleitung Sterbender und die Gefahrenabwehr. Und auch das Gassigehen mit dem Hund ist erlaubt. Eine Allgemeinverfügung, die das Ganze regelt, ist in Arbeit.

Grundlage der verschärften Einschränkungen ist stets eine hohe 7-Tage-Inzidenz, also über 200. Dass der Wert – am Montag lag er bei 259,5 – sehr schnell sinken wird, glaubt man in der Kreisverwaltung nicht. Matthias Rüger, Abteilungsleiter für Katastrophenschutz, sagte, für diese Woche seien noch etliche Tests zu erwarten, und damit auch etliche positive. Zudem sei auch überregional ein Anstieg des Infektionsgeschehens zu beobachten.

Zu viele Kontakte an den Feiertagen

Und das liegt, wie Rüger skizzierte, wohl am Verhalten vieler Bürger über die Feiertage: „Hier zeigen sich die fatalen Auswirkungen der vielen Kontakte über Weihnachten und Silvester.“ Die Auswirkungen der nun getroffenen Maßnahmen, das fügte Rüger hinzu, werde man wegen der üblichen Inkubationszeit nicht sofort sehen – Ende Januar werde man mehr wissen.

Auch im Pflegeheim-Bereich gehe der Landkreis mit seiner Task Force über das hinaus, was das Land verordnet hat, sagte Kreisrat Rolf Amelsberg: „Wir wollen die Senioren schützen.“ Von den kreisweit 23 Heimen sind derzeit 11 von Infektionen betroffen. Die Task Force soll auch Hygienepläne und Pflegekapazitäten überprüfen.

Lag der Schwerpunkt des Infektionsgeschehens bis zum Wochenende noch bei den Altenheimen (das IK berichtete), so hat sich das Blatt inzwischen gewendet. Nach gestrigem Stand sind 43 Prozent des aktuellen Infektionsgeschehens in den Heimen zu verorten, 57 Prozent im privaten Bereich. Viele Bürger hätten über die Feiertage „die Beschränkungen großzügig ausgelegt“, sagte Ebel.

Auch die Erste Stadträtin von Gifhorn, Kerstin Meyer, mahnte: „Nicht alles, was möglich ist, ist auch sinnvoll.“ Sie sagte, für die Kirchen gelte weiter das grundgesetzlich verbriefte Recht auf Gottesdienste. Es habe sich auch gezeigt, dass die Hygienekonzepte passen – doch stelle sich die Frage, ob solche Veranstaltungen jetzt das richtige Signal seien. An die Kirchen erging daher der Appell, weitgehend auf Präsenz-Gottesdienste zu verzichten.

„Es liegt an jedem Einzelnen“

Der Landrat betonte: „Wir wissen, dass wir die Bürger weiter einschränken.“ Der Landkreis prüfe aber die Verhältnismäßigkeit. Es liege an jedem Einzelnen, sich an die Regeln zu halten und so zur Entspannung der Situation beizutragen. Ebel erklärte die hohen Zahlen im Kreisgebiet auch damit, dass hier intensiver getestet werde als andernorts: „Wir testen auch die K1-Personen, das machen viele andere nicht.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare