Kreisverwaltung legt Konzept für neuen Mobilitätsservice für Behinderte vor

Fahrten werden gedeckelt

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Der Fahrdienst für behinderte Menschen im Landkreis wird neu organisiert.

Landkreis Gifhorn. Für Menschen mit Behinderungen im Landkreis war es Ende des vergangenen Jahres ein schwerer Schlag: Der Fahrdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) stellte seinen bezuschussten Service für behinderte Menschen ein.

Wer den Behinderten-Fahrdienst dennoch weiter in Anspruch nimmt, muss ihn seit Januar komplett aus eigener Tasche bezahlen.

Ersatz wird kommen, wenn auch in veränderter Form. Ein neues Konzept für eine Ausschreibung präsentierte gestern Bernd-Günter Schwabe, Leiter des Fachbereichs Soziales, im Ausschuss zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen. Kernpunkte: Die vom Kreis bezuschussten Fahrten werden gedeckelt (76 pro Jahr). Einige Arten von Fahrten (zum Beispiel zum Arbeitsplatz) fallen ganz aus dem Leistungspaket. Die Reichweite wird auf die angrenzenden Kreise, die Region Hannover und die kreisfreien Städte (Wolfsburg und Braunschweig) begrenzt.

Zur Erinnerung: Das DRK beantragte im letzten Sozialausschuss im vergangenen Jahr eine Verdoppelung der Bezuschussung durch den Landkreis. Und zwar von 48 000 auf 96 000 Euro. Das lehnte das Gremium ab. Konsequenz: Einen seitens des Kreises alimentierten Fahrdienst gibt es zurzeit nicht. Und zu den alten Tarifen konnte das DRK nicht weiterfahren, wollte es die anfallende Deckungslücke nicht selbst tragen.

Auch eine Organisation wie das Rote Kreuz müsse wirtschaftlich handeln, so DRK-Vorstand Stephan Klauert damals. Rund 250 000 Euro ließ sich das DRK den Behinderten-Fahrdienst kosten. Die rund 100 regelmäßigen Nutzer zahlten für die DRK-Fahrt den Preis, den sie hätten entrichten müssen, könnten sie in Bus oder Bahn steigen. Die Differenz übernahm das DRK, bezuschusst eben vom Kreis. Um die betroffenen Menschen nicht der kompletten Immobilität anheim fallen zu lassen, trafen sich Vertreter von Kreis und DRK noch vor Ablauf des vergangenen Jahres. Jedoch kamen beide Seiten hinsichtliche einer Lösung der Finanzierung nicht zusammen.

Nun werde die Kreisverwaltung die Vergabemodalitäten ausarbeiten, damit der neue Service so schnell wie möglich an den Start gehen könne, so Schwabe. An den Tarifen wird sich für die berechtigten Nutzer (Rollstuhlfahrer oder Menschen ohne Rollstuhl mit den Merkzeichen G und H und B und GdB 100 Prozent im Schwerbehinderten-Ausweis) nichts ändern. Sie werden auch künftig nur die Kosten für einen entsprechende Fahrkarte für Bus oder Bahn zahlen müssen.

Eine Arbeitsgruppe aus dem Gremium heraus wurde gebildet, die die Anforderungen an den Betreiber eines neuen Behinderten-Fahrdienstes im Landkreis definieren soll. In vier Wochen sollen Ergebnisse vorliegen.

Von Jens Schopp

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