Fahrlässige Tötung?

Nach tödlichem Unfall bei Ehra: Staatsanwaltschaft klagt VW-Testfahrer an

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Auf dem VW-Prüfgelände kam es im Juli 2018 zu einem tödlichen Unfall. Der mutmaßliche 33-jährige Verursacher wurde nun der fahrlässigen Tötung angeklagt.

Ehra-Lessien/Hildesheim – Die Staatsanwaltschaft Hildesheim erhebt Anklage gegen den 33-jährigen Volkswagen-Testfahrer, der im Juli letzten Jahres einen tödlichen Unfall verursacht haben soll. Der Vorwurf lautet fahrlässige Tötung.

Am 11. Juli 2018 kam es auf dem VW-Prüfgelände bei Ehra-Lessien zu einem Auffahrunfall bei relativ hoher Geschwindigkeit (das IK berichtete). Dabei war der nun Angeklagte auf der Schnellbahnstrecke des Geländes in einem VW Passat auf einen deutlich langsamer fahrenden VW Up aufgefahren. Infolge des Unfalls wurde der Kleinwagen zerstört, sein 31-jähriger Fahrer kam ums Leben.

Die Unfallursache ist derweil noch unklar. Der 33-Jährige habe den VW Up bei freier Sicht ohne ersichtlichen Grund gerammt. „Ein unabhängiger Sachverständiger hat im Auftrag der Staatsanwaltschaft Hildesheim den Unfall untersucht und den Hergang zu rekonstruieren versucht“, berichtet Oberstaatsanwalt Christian Gottfriedsen auf IK-Anfrage. „Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass ein technischer Defekt ursächlich für den Unfall gewesen sein könnte.“

Es ist nicht der erste tödliche Unfall, der sich auf der Teststrecke ereignete. So war erst im Februar 2016 ein 28-Jähriger gestorben. Er kam nach einem Überholmanöver am Ausgang einer Steilkurve vermutlich aufgrund von Aquaplaning von der Fahrbahn ab, überschlug sich und landete in einem Graben. Jede Hilfe kam zu spät. Das galt auch für einen weiteren Testfahrer, der im August 2013 vermutlich aufgrund eines Fahrfehlers verunglückte.

Doch bei dem Unfall im letzten Jahr war die Sicht frei, die Witterung gut und die Strecke führte geradeaus. Die Polizei wollte sich nicht zu dem Unfall äußern, da das VW-Prüfgelände kein öffentlicher Verkehrsraum sei und der Vorfall daher als Arbeitsunfall gelte. Auch der 33-Jährige kann die Unfallursache nicht benennen. „Der Angeschuldigte selbst hat angegeben, sich an das Unfallgeschehen nicht erinnern zu können und keine Erklärung für den Unfall zu haben“, sagt Gottfriedsen. Verletzungen und Traumata könnten für die Erinnerungslücken des Angeklagten ursächlich sein.

Die Sicherheitsbestimmungen des Prüfgeländes seien derweil kein Thema. „Es gibt keinen Anlass für strafrechtliche Konsequenzen gegen die Verantwortlichen für den Betrieb der Teststrecke“, bestätigt Gottfriedsen.

Sollte man den Testfahrer des Tatbestandes der fahrlässigen Tötung für schuldig befinden, droht ihm eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe.

VON DENNIS TESCH

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