600 Mitarbeiter demonstrieren für ihre Arbeitsplätze

Continental in Gifhorn: Existenzängste gehen um

Betriebsratsvorsitzender Uwe Szymanowski (l.) hatte gestern Nachmittag die Betriebsversammlung kurzerhand an das Werkstor von Continental in Gifhorn verlegt. Rund 600 seiner Kollegen demonstrierten für ihre Arbeitsplätze.
+
Betriebsratsvorsitzender Uwe Szymanowski (l.) hatte gestern Nachmittag die Betriebsversammlung kurzerhand an das Werkstor von Continental in Gifhorn verlegt. Rund 600 seiner Kollegen demonstrierten für ihre Arbeitsplätze.

Gifhorn. Rund 600 Mitarbeiter von Continental Teves, die gestern am Werkstor in Gifhorn für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstrieren, kämpferische Metallgewerkschafter auf dem Podium sowie ein Betriebsratsvorsitzender und ein Werkleiter, die sich in ihren Aussagen widersprechen.

Die Lage beim Autozulieferer ist extrem angespannt.

Hartmut Meine, Bezirksleiter der IG Metall in Niedersachsen, warnte das Unternehmen vor einem „Großkonflikt“.

Dass mit der Produktion am Standort schon seit längerem keine schwarzen Zahlen mehr geschrieben werden, ist nichts Neues. Betriebsrat und Werkleitung führen seit Monaten Gespräche über eine Umstrukturierung. Vor einer Woche verbreitete Conti, dass das Werk in Gifhorn „international nicht wettbewerbs- und zukunftsfähig“ sei. Das brachte das Fass zum Überlaufen.

„280 Jobs sollen sozialverträglich abgebaut werden, weitere 400 sind in den kommenden Jahren potenziell gefährdet. Das ist uns mitgeteilt worden“, sagt Betriebsratsvorsitzender Uwe Szymanowski. „Wir können und werden keine Zahlen bestätigen“, so die Version von Werkleiter Dr. Kristijan Bauer. Er wisse nicht, wo die Zahlen herkommen.

Das dürfte der Belegschaft egal sein. Bei vielen Kollegen gingen Existenzängste um, weiß Szymanowski. Dass Conti in Gifhorn Arbeitsplätze abbauen wird, daraus macht Bauer keinen Hehl. Nur wolle man betriebsbedingte Kündigungen vermeiden.

Das reicht den Arbeitnehmervertretern nicht. „Alle Welt redet von Fachkräftemangel, und Continental will die Arbeitsplätze von 680 Fachkräften abbauen. Das ist unlogisch und schadet auch dem Ruf von Continental als Arbeitgeber“, sagte gestern Nachmittag Hartmut Meine, IG Metall-Bezirksleiter in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

Die IG Metall und der Betriebsrat fordern eine langfristige Sicherung aller Arbeitsplätze (1600) und den Erhalt der dualen Berufsausbildung sowie die Übernahme der Ausgebildeten bei Continental in Gifhorn. Man werde sich konstruktiven Lösungen nicht verschließen, so Meine. Wolle Conti aber betriebsbedingt kündigen, prophezeit er einen „Großkonflikt“.

Am 18. Juni treffen sich Conti-Führung und Arbeitnehmervertreter zur nächsten Gesprächsrunde.

Von Jens Schopp

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare